SC Paderborn: Ralf Kettemann spricht über persönliche Belastung im Fußball

Paderborn-Trainer Ralf Kettemann gelingt binnen kurzer Zeit der Aufstieg in den Profifußball. In einem Interview spricht er über die psychische Belastung im Trainer-Job – und wie er diese Erfahrung heute nutzt. Ralf Kettemann hat in der „Sport Bild“ über eine schwere Phase in seiner Karriere gesprochen. Der 40-Jährige beschreibt, wie er auf dem Weg vom Amateur- zum Bundesligatrainer in eine „Arbeitsspirale“ geriet und wie er sich professionelle Hilfe suchte. Kettemann hatte vor seinem Engagement bei Paderborn acht Jahre lang den TSV Ilshofen trainiert. Besondere Vorerfahrung habe er nicht gehabt. „Ich habe mir den Trainerberuf selbst beigebracht. Das war viel Trial and Error“, sagte er. BVB-Star bricht zusammen: Hummels schockiert „Es geht nicht mehr“: Schiedsrichterin beendet Karriere sofort Niederlagen hätten bei ihm Spuren hinterlassen. Sein persönliches Befinden habe er zunehmend von den Ergebnissen abhängig gemacht: „Ich habe mich teilweise abgewertet gefühlt als Mensch, als plötzlich Spiele verloren gingen.“ Zeitweise habe ihm die Kraft gefehlt, „sodass ich vereinzelt zu Spielen gefahren werden musste. Das war für mich der Peak-Moment.“ „Man ist kein schlechter Mensch, wenn man eine Partie verliert“ Daraufhin suchte er professionelle Unterstützung. Er habe „mit Menschen zusammengearbeitet, die einen spiegeln. Die einem immer wieder Hilfestellung geben.“ Die Erfahrung habe ihn gelehrt: „Man ist kein guter Mensch, wenn man ein Spiel gewinnt. Und man ist kein schlechter Mensch, wenn man eine Partie verliert.“ Dieses Denken versuche Kettemann auch in seiner Mannschaft einzubringen. Die Spieler geben täglich Rückmeldung zu ihrem körperlichen und emotionalen Zustand. Kettemann erklärt: „Hat ein Spieler schlecht geschlafen, weil seine Freundin am Abend zuvor etwa Schluss gemacht hat oder das Kind krank ist? Diese Fragen können keine Blut- oder Belastungs-Steuerungs-Analysen beantworten und sind notwendig für die Trainingssteuerung.“ Vor dem Bundesliga-Duell bei Borussia Dortmund am Samstag (15.30 Uhr im Liveticker bei t-online ) erwartet Kettemann eine mentale Herausforderung. Er könne seinen Spielern keinen Vorwurf machen, wenn sie nervös seien. „Aber wenn wir keine Eier haben, dann wird man auch keine Chance haben.“