Wochen voller Bangen liegen hinter Jamal Musiala. Beim Champions-League-Auftakt des FC Bayern gelingt ihm nun ein Moment, der alles andere in den Schatten stellt. Aus München berichtet Julian Buhl Diesen Moment hat Jamal Musiala seit Wochen herbeigesehnt. Am Donnerstagabend um 22.09 Uhr war er endlich gekommen und rückte alles andere in den Hintergrund. Es lief die 47. Spielminute der Champions-League-Auftaktpartie des FC Bayern gegen FK Bodø/Glimt, die die Münchner am Ende mit 5:0 gewannen . Nach einem Schussversuch von Harry Kane flog der Ball rechts in den Strafraum. Musiala antizipierte das gedankenschnell und verwandelte ihn per Drehschuss mit rechts halbhoch ins linke Toreck. Der Torschütze schrie seine Freude über den Treffer zum 1:0 heraus. Umringt von seinen Teamkollegen feierte er mit den Bayern-Fans in der Südkurve. Für Musiala war das schließlich nicht weniger als ein Moment der Erlösung – nach äußerst schwierigen Wochen. Es geht um einen Bayern-Superstar: Ausgerechnet Klopp wirft brisante Frage auf Musiala-Zauber und zwei Traumtore: FC Bayern eiskalt gegen Underdog Nachdem Bayerns Nummer 10 in der Saisonvorbereitung zweimal hintereinander auf dem Spielfeld kollabiert war, war er am Wochenende beim Spiel auf Schalke (0:0) erstmals wieder eingewechselt worden. Etwas überraschend kehrte er beim Auftakt in die Königsklasse nun gleich auch wieder in die Startelf zurück – und erlebte dabei ein Traumcomeback. „Es war ein super Moment“ „Ich freue mich jetzt, wieder im Rhythmus zu sein. Erster Start und Champions League“, sagte Musiala bei DAZN. „Es war ein super Moment. Ich bin sehr glücklich für mich und die Mannschaft. Ich habe vom Trainerteam, der Mannschaft viel Support bekommen. Den Abend werde ich genießen.“ Das galt auch für seine Teamkollegen, die sich neben dem gelungenen Auftakt in die Champions League vor allem mit Musiala freuten. Manuel Neuer machte da keine Ausnahme. „Das war etwas ganz Besonderes für das ganze Stadion, für ihn persönlich, für seine Familie, für uns als Mannschaft“, sagte der Bayern-Kapitän über den Gänsehautmoment, den Musiala mit seinem Tor ausgelöst hatte. Harry Kane schloss sich Neuer an und sagte: „Ich freue mich wirklich sehr für ihn. Er hatte eine schwere Zeit. Es ist schön, ein Lächeln auf seinem Gesicht zu sehen. Ich glaube, ihm ist eine Last von den Schultern gefallen.“ Musialas Märchencomeback toppt Olises Galaauftritt Musialas zehnter Treffer in der Königsklasse war etwas ganz Besonderes und womöglich einer der wichtigsten seiner bisherigen Karriere. Schließlich markiert er gewissermaßen den ersten Schritt auf dem Weg zurück zur Normalität. Von Zurückhaltung oder gar Angst vor einem erneuten Zusammenbruch war Musiala, der aufgrund einer neurologischen Dysfunktion an sogenannten Absencen leidet, jedenfalls nichts anzumerken. Im Gegenteil: In einigen Szenen dribbelte er fast schon wieder wie zu besten Zeiten an den Gegnern vorbei und hinterließ insgesamt einen sehr guten Eindruck. Wie wichtig dieser Abend und dieses Tor von Musiala waren, war auch bei dessen Auswechselung nach knapp einer Stunde (65.) zu beobachten. Einige Zuschauer erhoben sich von ihren Plätzen und klatschten laut Beifall, als Musiala zur Seitenlinie lief. Dort angekommen umarmte Kompany ihn innig und flüsterte ihm ein paar Worte zu. Musiala kämpft mit Toren und Normalität Nachdem er am Vortag bei seiner Spieltagspressekonferenz noch um Geduld bei Musiala gebeten hatte, betonte Cheftrainer Vincent Kompany nun, dass Musiala sich den Startelfeinsatz aufgrund herausragender Trainingsleistungen schlicht verdient hatte. Auch Max Eberl freute sich über die gelungene Rückkehr von Musiala. Dessen Medikation sei nun „so eingestellt, dass es sehr gut passt. Die Situationen sind gen null momentan“, sagte der Sportvorstand. „Wir klopfen auf Holz, damit es auch so bleibt, und dementsprechend hat der Trainer gesagt: Heute ist es soweit.“ Eberl verwies darauf, dass all das zuletzt Erlebte für einen 23-jährigen Jungen ohnehin schon sehr, sehr viel sei. Und genau das meine Kompany, wenn er sage, dass Musiala noch im Aufbau sei. „Dass er jetzt quasi wieder in die Normalität übergehen kann. Dass er auf dem Platz stehen kann und es jetzt nichts mehr Besonderes ist“, so Eberl weiter. „Dass nicht mehr nach einem 5:0-Sieg über seine Medikation gesprochen wird oder irgendwas anderes, sondern einfach nur über das, was er auf dem Platz gezeigt hat. Und das kommt jetzt gerade.“ Jedes Tor wird Musiala an diese Normalität wieder ein Stückchen näher bringen. Den ersten Schritt auf diesem Weg hat er bereits gemacht.