Mainz-Stürmer Ransford Königsdörffer erklärt seinen provokanten Jubel gegen seinen Ex-Klub. Im Interview berichtet der 24-Jährige von schockierenden Nachrichten. Ransford-Yeboah Königsdörffer hat Hassnachrichten öffentlich gemacht, die er in seiner letzten Saison beim HSV über ein Jahr lang täglich erhalten habe – darunter Todesdrohungen, rassistische Beleidigungen und Beschimpfungen gegen seinen verstorbenen Cousin und seine Eltern. Diese sollen auch der Grund für seinen provokanten Torjubel beim 5:0-Sieg von Mainz 05 gegen seinen Ex-Klub gewesen sein. Im Interview mit der „Allgemeinen Zeitung“ schildert Königsdörffer seine Beweggründe für den Jubel vor den HSV-Fans: „Ich hatte zuvor ein wenig überlegt, ob ich es wirklich machen soll. Ich wollte es auch davon abhängig machen, ob gegen mich gepfiffen wird. Aber Hauptgrund war, dass ich ein Jahr lang wöchentlich bis täglich Nachrichten erhalten habe, in denen mir der Tod gewünscht wurde oder jede denkbare Verletzung.“ Abbruch von Interview: Bayern-Star lässt Reporter auflaufen Champions League: Trainer tritt zurück – Präsident widerspricht Königsdörffer zeigt Hassnachricht Der 24-Jährige schildert, dass er ganz bewusst zu diesem Mittel griff: „Vielleicht gibt es auch andere Mittel, das zu lösen. Aber ich glaube, dass die Leute, die so etwas schreiben, es einfach nicht anders verstehen – und deshalb habe ich auf diese Art und Weise gejubelt.“ Im Interview zeigte Königsdörffer einen Screenshot einer Nachricht aus der vergangenen Saison und las sie vor: „Du elendiger ungewollter Dauerasylant. Zu schlecht, gegen einen Oberligisten zu scoren, aber die viel zu dicke Oberlippe riskieren. Du wirst genauso untergehen, wie dein ganzes Volk, du Dritte-Welt-Nationalspieler. Möge dich der Gegenverkehr beim Überholen treffen.“ Jubel nicht gegen den Verein gerichtet Der Nationalspieler Ghanas betonte, der Jubel habe sich gegen die Verfasser solcher Nachrichten gerichtet – nicht gegen den HSV. „Es war damit weder die Nordtribüne gemeint noch irgendjemand aus der Vereinsführung, vom Staff oder von den Spielern. Denn die habe ich alle sehr gern“, sagte er. „Ich bin ein Jahr lang durchgehend beleidigt worden und wollte einfach zum Ausdruck bringen, dass ich mir das nicht gefallen lasse.“ Die Nachrichten erreichten ihn über Social Media . Eine Anzeige habe er bislang nicht erstattet. Seine Kanäle abzuschalten, lehne er ab. Gemischte Reaktionen nach dem Spiel Beim Spiel am vergangenen Sonntag war Königsdörffer in der 68. Minute eingewechselt und von den HSV-Fans ausgepfiffen worden. In der 91. Minute erzielte er den 5:0-Endstand – und jubelte mit einem Knierutscher, die Hände hinter den Ohren. Auf dem Feld kam es zu einer kurzen Rudelbildung. HSV-Kapitän Nicolai Remberg ging auf Königsdörffer zu. Bei Dazn sagte Remberg nach dem Spiel: „Ich mag ihn unfassbar gern. Aber ich bin hier Kapitän. Wenn einer vor unseren Fans so jubelt, dann muss ich da hingehen. Das gehört sich nicht, das finde ich nicht korrekt. Und das habe ich ihm gesagt.“ Gleichzeitig zeigte er Verständnis: „Natürlich hat er hier viel abbekommen. Das hat man von außen gar nicht mitbekommen, wie schlimm die Beleidigungen gegen ihn waren. Aber so ein Jubel hat einen kleinen Beigeschmack.“ Königsdörffer ging in HSV-Kabine Nach dem Spiel besuchte Königsdörffer eigenen Angaben zufolge die HSV-Kabine und entschuldigte sich bei seinen früheren Mitspielern. Die Reaktionen seien gemischt gewesen, berichtete er. HSV-Trainer Merlin Polzin wollte dem Thema keine große Bedeutung beimessen. Königsdörffer hatte vier Jahre für den HSV gespielt, in 138 Spielen 33 Tore erzielt und den Klub im Sommer ablösefrei in Richtung Mainz verlassen. Das Tor am Sonntag war sein erstes Bundesligator für die Rheinhessen.