2021 kam Mario Vušković als vielversprechendes Innenverteidigertalent zum HSV. Die letzten vier Jahre waren von Themen abseits des Platzes geprägt – jetzt folgt die emotionale Rückkehr. Mario Vušković wird am Dienstag zum ersten Mal nach seiner vierjährigen Doping-Sperre mit der Mannschaft des HSV trainieren. Wie es zu der Sperre kam und warum der HSV bis heute hinter seinem Spieler steht. Am Deadline Day 2021 verpflichtete der Hamburger Sport-Verein einen nur Experten bekannten Innenverteidiger von Hajduk Split. Der damals 19-jährige Kroate war bei seinem Heimatverein bereits zum Stammspieler gereift. Fußballfachleute in Kroatien sagten dem Talent eine große Karriere voraus. Ehemaliger Nagelsmann-Assistent: Sandro Wagner wohl vor Wechsel zu Zweitligist Nach US-Open-Sieg: Diese Vorwürfe gegen Zverev sind absurd „Das Schwerste, was es gibt“: Fußballprofi spricht erstmals über Tod seiner Freundin In seiner ersten Spielzeit beim HSV hatte Vušković leichte Anlaufprobleme. Im Laufe der Saison entwickelte sich der Innenverteidiger aber zum absoluten Stammspieler. So stand Vušković die letzten 21 Spiele der Saison 21/22 in der 2. Bundesliga über die volle Spielzeit auf dem Platz. Auch in den wichtigen Relegationsspielen gegen Hertha BSC setzte Trainer Tim Walter auf den jungen Verteidiger. Der positive Trend schien sich in der Folgesaison fortzusetzen. In den ersten 18 Spielen der Spielzeit 2022/23 stand der ehemalige kroatische U-Nationalspieler jedes Spiel in der Startelf. Im Februar 2025 sagte der heute 24-Jährige im Gespräch mit „11Freunde“ über die ersten anderthalb Jahre beim HSV: „Es war die beste Zeit meines Lebens. Ich habe nie besser gespielt, das Team war toll und die Stadt auch.“ Beginn eines „Albtraums“ Am 11. November 2022 „begann der wahre Albtraum“, wie der HSV-Profi später erzählte. Vušković wurde am Trainingsgelände der Hamburger über eine positive Doping-Probe vom 16. September informiert. Danach durchsuchten Polizeibeamte seinen Spind, seine Privatgegenstände sowie seine gesamte Wohnung. Beim Spiel am nächsten Abend fehlte Vušković nach Angaben des Vereins „aus privaten Gründen“ im Aufgebot. Nach der Partie machten der HSV und der DFB die Situation publik. In der offiziellen DFB-Mitteilung hieß es: „Beim Spieler Mario Vušković vom Hamburger SV wurde im Rahmen einer von der NADA (Nationale Anti-Doping-Agentur, Anm. d. Red.) durchgeführten Trainingskontrolle die Substanz Erythropoetin (EPO) festgestellt.“ Drei Tage nach dem Spiel sperrte das DFB-Sportgericht den HSV-Profi vorläufig für den Trainings- und Spielbetrieb. Diese Sperre galt bis zur Fällung eines endgültigen Urteils. Im Dezember folgte auf die positive A-Probe auch eine positive B-Probe. Schuldigsprechung durch DFB-Sportgericht Im Februar 2023 begann schließlich das Gerichtsverfahren. Die Verteidigung des Kroaten brachte mehrere Gutachten von unabhängigen Wissenschaftlern, die Vuškovićs Proben allesamt als negativ betrachteten, vor. Das Gericht beauftragte einen eigenen Sachverständigen. Dieser war aus Sicht von Vušković befangen. Der Wissenschaftler saß zum damaligen Zeitpunkt in einem Ausschuss mit zwei anderen Fachleuten, die die Doping-Proben als positiv bewertet hatten. Ende März 2023 bestätigte das DFB-Sportgericht das Doping und verhängte rückwirkend eine Sperre von zwei Jahren für den HSV-Profi. Nachdem sowohl Verteidigung als auch Anklage in Berufung gegangen waren, landete der Fall vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas. Vor der Urteilsverkündung bekundeten sowohl die Fans als auch die Spieler des HSV ihre Solidarität für den in ihren Augen zu Unrecht verurteilten Mario Vušković. Die Mannschaft trug T-Shirts mit seinem Namen, die Fans zeigten ihre Unterstützung mit Bannern sowie Trikots und Sprechgesängen auf den Rängen. Diese Rückendeckung war für Vušković ein wichtiger Grund, um weiterzumachen, wie der Verteidiger später berichtete. „Hätte ich nicht den HSV hinter mir, würden die Fans nicht immer noch mein Trikot kaufen und bei den Heimspielen meinen Namen singen, hätte ich früher aufgegeben.“ Cas machte jede Hoffnung zunichte Im August 2023 dann die nächste Hiobsbotschaft: Der Cas bestätigte nicht nur das Urteil, sondern verlängerte die Sperre von zwei auf vier Jahre bis in den November 2026. Damit erfüllte der Gerichtshof die Forderungen der Anklage vollständig. Die Doping-Kontroverse habe „alles geändert, meine Perspektive auf mich selbst und die Welt. Darauf, was Gerechtigkeit und Unrecht bedeuten“, erzählte Vušković bei „11Freunde“. Mit der Urteilsverkündung und der Ablehnung der eingereichten Berufung waren alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft. „Auch wenn es schwerfällt: Wir akzeptieren, dass Mario den Kampf vor dem Cas verloren hat“, erklärte HSV-Finanzvorstand Dr. Eric Huwer im Anschluss an das Urteil bei der „Mopo“. Der Verein stand weiter zu ihm: Vušković unterzeichnete einen neuen Vertrag mit den Hamburgern, der mit Ablauf seiner Sperre beginnen wird. HSV glaubt weiter an eine sportliche Zukunft Vušković zeigte sich dankbar gegenüber dem Verein. „Der neue Vertrag ist eine riesige Ehre“, erklärte er. „Ich will, dass der HSV am Ende sagt: Wir haben nicht ohne Grund an ihm festgehalten.“ Die Mannschaft, der Trainerstab und die Fans sind für den 24-Jährigen mehr als ein Verein geworden: „Es ist eine Familie.“ Als der HSV im Mai 2025 den Aufstieg in die Bundesliga feierte, war Vušković mittendrin. Obwohl er nicht auf dem Platz stand, präsentierte sich der Kroate als vollwertiger Teil des Teams. Seine Teamkollegen beschrieben mehrfach seine spezielle Rolle in der Mannschaft. Miro Muheim sagte der „Mopo“ kurz vor dem Aufstieg des HSV: „Wir kämpfen auch immer für Mario.“ Ex-HSV-Stürmer Robert Glatzel stimmte bei der Aufstiegsfeier im Volksparkstadion mit allen anwesenden Fans „Vušković“- Sprechgesänge an. Luka Vušković imponiert vom HSV Ebenfalls anwesend bei der Aufstiegsfeier war Marios kleiner Bruder Luka Vušković. Das hoch gehandelte Innenverteidigertalent entschied sich trotz unzähliger Anfragen aus ganz Europa im Aufstiegssommer für den Klub an der Elbe. Dabei war der bei Tottenham unter Vertrag stehende Profi schon zu diesem Zeitpunkt ein Regal zu hoch für den HSV. Laut eigener Aussage des Kroaten waren der Umgang und die Unterstützung des HSV für seinen Bruder der ausschlaggebende Grund für den Schritt an die Elbe. Hamburg lieh den Innverteidiger für ein Jahr von den „Spurs“ aus. Der heute 20-Jährige wurde auf Anhieb zum Stamm- und Führungsspieler und hatte einen großen Anteil am Klassenerhalt des HSV. Mit sechs Toren in der Bundesliga und der Auszeichnung zum „Rookie der Saison“ verabschiedete sich der kroatische WM-Fahrer in diesem Sommer gen Brighton. Sein Wunsch, mit dem großen Bruder beim HSV zusammenzuspielen, blieb (noch) unerfüllt. Im September 2026 angekommen könnte dieser Wunsch jedoch eines Tages in Erfüllung gehen. Denn am Dienstag darf Mario Vušković nach vier langen Jahren wieder mit der Mannschaft des HSV trainieren. Aufgrund der besonderen Umstände und „sicherheitsrelevanter Aspekte“ wird die erste Trainingseinheit des Kroaten im Volksparkstadion stattfinden, wie der HSV mitteilte. Trainer Merlin Polzin will versuchen, dem Kroaten „einen wertschätzenden Moment zu geben. Gleichzeitig geht es auch darum, das alles nicht zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen – denn so ist er auch als Typ nicht. Er freut sich einfach extrem darauf, wenn er wieder in der Kabine sein darf und dort sowie auf dem Platz im Kreis der Mannschaft wieder Spaß hat“. Vušković beschreibt sich selbst als „physisch topfit“. Er habe in den vergangenen Jahren trotz Verbot der Teilnahme an organisiertem Fußball viel Sport getrieben. Vušković habe vor allem Jiu-Jitsu für sich entdeckt. „Das ist der Sport, der mich in dieser schwierigen Zeit gerettet hat“, sagte er im Interview mit „11Freunde“. Ob und wann der Verteidiger wieder in der Bundesliga einsetzbar ist, bleibt abzuwarten. Spielberechtigt ist Vušković ab dem 15. November, theoretisch könnte er seine Rückkehr beim Nordderby gegen Bremen am 22. November feiern. Dies erscheint aber unwahrscheinlich ob der vierjährigen Abwesenheit vom Profifußball. Sein Trainer bescheinigte ihm zwar einen „sehr, sehr fitten, sehr dynamischen Eindruck“. Und Vušković selbst sagte, das Fußballspielen könne man nicht verlernen. Gleichzeitig räumte der Bruder von Publikumsliebling Luka Vušković ein: „Das Spiel verändert sich natürlich, es wird immer schneller und besser. Deshalb muss ich noch härter arbeiten.“ Einen vergleichbaren Fall eines Profis, der nach vier Jahren wieder zurückkommt, gab es indes noch nie, der HSV und sein Spieler sind also in völlig unbekannten Gefilden unterwegs. Eine letzte Wendung ist möglich Ganz scheint der Fall Mario Vušković vor Gericht noch nicht ausgehandelt. Wie der NDR am 23. Juni 2026 berichtete, nimmt die Staatsanwaltschaft Hamburg Ermittlungen gegen den Doping-Täter auf. Sollte in diesem strafrechtlichen Verfahren wider allen bisherigen Verfahren Vuškovićs Unschuld erwiesen werden, könnte dies weitreichende Konsequenzen für die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) sowie die NADA und ihre Testverfahren haben. Diese Testverfahren haben Vušković und seine Verteidigung angezweifelt, beide Anti-Doping-Agenturen beharrten jedoch auf ihren Ergebnissen. Mario Vušković beharrt bis heute auf seiner Unschuld und ließ deswegen die Frist für die Zahlung einer Geldbuße im Gegenzug zur Einstellung des Verfahrens verstreichen.