Eisbären-Umbruch: Konkurrenz setzt auf Ende einer Ära

Drohen in der DEL langweilige Verhältnisse wie in der Fußball-Bundesliga mit einem Dauermeister? Der Liga-Boss sagt nein. Auch die Trainer gehen von einem Ende der Eisbären-Dominanz aus. Der Nächste bitte. In der Deutschen Eishockey Liga ist die Sehnsucht nach einem neuen Meister in der am Donnerstag beginnenden Saison groß. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke muss angesichts der Dominanz der Eisbären Berlin in den vergangenen Jahren schon Befürchtungen entgegentreten, der Liga würden Verhältnisse wie in der Fußball-Bundesliga mit Dauermeister Bayern München drohen. „Das ist überhaupt nicht vergleichbar. Die Eisbären haben mitnichten die teuerste Mannschaft in der Liga“, sagte Tripcke. Trotzdem war der Hauptstadtclub in den vergangenen sechs Jahren fünfmal deutscher Meister. Zum Saisonauftakt am Donnerstag (19.30 Uhr/MagentaSport) gegen die Straubing Tigers wird aber in Eric Dubois ein neuer Trainer an der Bande stehen. Meistergarant und Titelsammler Serge Aubin ist zum SC Bern entschwunden. Auch auf der gerade im Eishockey so wichtigen Position des Torhüters ist alles neu. Jake Hildebrand ging zum Titelkonkurrenten Adler Mannheim und Jonas Stettmer zum ERC Ingolstadt. Aus Nordamerika holten die Eisbären in Jack LaFontaine eine neue Nummer eins, die sich erst einmal an die Liga und veränderte Schusswinkel auf der in Europa größeren Eisfläche gewöhnen muss. „Wir wissen alle, dass das Schlüsselpositionen sind. Die anderen werden alles daran setzen, aufzuholen“, meinte Tripcke. Trainer Thomas Popiesch vom Aufsteiger Krefeld Pinguine sagte sogar deutlich mehr Konkurrenz für die Eisbären voraus: „Ja, weil sich die Mannschaft erst finden muss und die Konkurrenz im Titelrennen groß ist.“ Der neue Meisterfavorit in der Liga lautet Mannheim In einer Meisterumfrage der Deutschen Presse-Agentur vor dem Saisonstart setzt in Straubings Craig Woodcroft nur noch ein Trainer explizit auf die Eisbären. Die Mehrheit nennt Mannheim, das in Hildebrand, Ex-NHL-Stürmer Patrick Brown (Boston) und den Olympia-Silbergewinner von 2018, Brooks Macek (Jekaterinburg), teils spektakuläre Zugänge präsentierte. „Mannheim ist mein Tipp, sie verfügen über die größte Tiefe im Kader, sind wirklich stark aufgestellt“, sagte Augsburgs Sportdirektor Larry Mitchell. Bei den Adlern, die dank SAP traditionell mit das meiste Geld in der Liga und damit den höchsten Etat haben, ist die Sehnsucht nach der neunten Meisterschaft und dem ersten Titel seit sieben Jahren groß. Große Hoffnungen haben auch die Kölner Haie, die 2025 in der Finalserie gegen die Eisbären chancenlos gewesen waren. Das bald 40 Jahre Club-Idol Moritz Müller hängt extra noch einmal ein Jahr dran, um sich endlich seinen großen Traum vom Titel erfüllen zu können. „Ich wünsche mir diese Meisterschaft sehr“, sagte Müller, der in dieser Saison auch zum DEL-Rekordspieler werden und den früheren Kölner Mirko Lüdemann (1200 Spiele) ablösen dürfte. Reicht es für Haie-Idol Müller endlich zum Titel? Nach dem Abgang von Star-Coach Kari Jalonen hält Müller große Stücke auf den schwedischen Nachfolger Thomas Berglund. In 2023-Vize-Weltmeister Daniel Fischbuch (Iserlohn) und dem langjährigen Eisbären-Meisterspieler Marcel Noebels kamen zudem namhafte Sturm-Zugänge. „Wir wollen nur auf uns schauen, glauben an die Stärken unserer Mannschaft und wollen uns die bestmögliche Ausgangsposition für die Playoffs schaffen“, sagte Berglund selbstbewusst. Sein Schwenninger Kollege Steve Walker wagte die Prognose: „Köln ist eigentlich überfällig, deshalb glaube ich, dass dieses Jahr ihr Jahr ist.“