Oktagon MMA in Frankfurt: Max Coga will gegen Jungwirth „alles opfern“

Der deutsche MMA-Kämpfer Max Coga gibt zwei Jahre nach einer schweren Verletzung sein Comeback. Dabei ist der Kampfsport nicht sein einziger Lebensmittelpunkt. Eine Begegnung mit dem deutschen MMA-Star. Max Coga humpelt. Sein Gang ist langsam, der Oberschenkel geprellt. Auf seiner Nase ist ein Schnitt deutlich erkennbar. Es ist Mitte August in Frankfurt, gut einen Monat vor seinem bisher größten Kampf sitzt der 37-Jährige auf einem Stuhl aus Aluminium. Er malträtiert einen Kaugummi, sein Blick ist fokussiert. Coga schaut zu, wie die 18 Profi-Kämpfer vom MMA Spirit Team Techniken im Boden-Jiu-Jitsu trainieren. „Einige Details“ nehme er für sich mit, erzählt Coga. Dabei lässt er die Aktionen auf den Matten nicht aus den Augen. Die Stimmung ist konzentriert, es läuft französische Rap-Musik. Max Coga hat heute Trainingspause. Er hat sich beim Sparring verletzt. Nach der halben Stunde, die er seinen Teamkollegen zuschaut, steht heute für ihn lediglich Krafttraining und eine Konditionseinheit auf dem AirBike auf dem Programm. Dann geht es für eine Vitaminkur zum Arzt und anschließend zur Physiotherapie. „Es wird etwas passieren“: Eklat: Wilde Prügelei zwischen Nascar-Fahrern Schmerzschreie zu hören: NFL-Star bricht im Spiel zusammen – Schockdiagnose droht Erinnerung an Schumi: Neuer Formel-1-Deal erregt Aufsehen Am 26. September wird Coga in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main im Stadion vor über 60.000 Menschen bei der Veranstaltung Oktagon 94, einem internationalen MMA-Event, gegen Christian Jungwirth antreten. Es ist ein lang erwarteter Kampf. Sie sind zwei der bekanntesten Gesichter im deutschen MMA-Sport. MMA steht für „Mixed Martial Arts“ (zu Deutsch: gemischte Kampfkünste), eine Kampfsportart, bei der verschiedene Techniken beispielsweise aus dem Boxen, Kickboxen oder Ringen miteinander kombiniert werden. Und Coga kehrt nach zwei langen Jahren Verletzungspause in den Sport zurück. Die kurze Trainingspause ist für Coga kein Rückschlag. „Ganz normal“, sei das, sagt er. Negative Gedanken lässt er kaum zu. Nicht einmal, als seine Karriere in den vergangenen zwei Jahren auf dem Spiel stand. Jetzt kehrt er zurück und will es allen nochmal beweisen. Vor allem sich selbst. Not-OP nach Sieg vor Weltrekordkulisse in Heimatstadt Damals im Oktober 2024 stellte MMA-Veranstalter Oktagon mit einem Event im Frankfurter Stadion einen Weltrekord auf – 59.148 Fans sind da. Max Coga war mittendrin und zum ersten Mal Teil der Fightcard, also dem Kampfprogramm des Events. Er hatte zuvor weltweit bei verschiedenen MMA-Organisationen gekämpft und Titel gewonnen. Seine Kampfbilanz: 27 Siege, acht Niederlagen und ein Unentschieden. Auch bei seinem Oktagon-Debüt verließ er den Käfig als Sieger. Aber er zahlte einen hohen Preis. In der ersten von drei Runden brach ihm bei einem Schlag der Mittelhandknochen. „Es hat sich angefühlt, als wäre meine Hand zerbrochen. Der Schmerz ist direkt bis in die Schulter hochgezogen“, erzählt Coga. „Da war auch keine Spur von Adrenalin, das mich irgendwie geschützt hat.“ Nicht einmal in den Pausen wollte er auf seine Hand schauen. Aber er durfte sich nichts anmerken lassen. Im Kampf änderte er dann seine Strategie. Er musste vor allem in den Bodenkampf gehen, obwohl das eigentlich seinem Gegner Antun Račić, der ein hervorragender Ringer ist, zugutekam. Und dennoch gewann Coga vorzeitig. Aber direkt nach dem Kampf war klar: Not-OP. Es war ein offener Bruch, der Knochen hatte sich vom Gewebe gelöst. Es mussten zusätzlich Knochen transplantiert werden, die Hand wurde mit Drähten verstärkt. Doch die Wunde entzündete sich. Also noch eine Not-OP. Die Hand verheilte, er stieg wieder ins Schlagtraining ein, dann brach erneut ein Knochen in der Hand – wieder war eine Operation nötig. Es wurden Platten eingesetzt, die kurze Zeit später wieder herausgenommen wurden. „Aber ich war zu keinem Zeitpunkt tieftraurig oder geknickt“, erzählt er. Seine große Stärke in dieser Zeit: Geduld. Seine große Schwäche: „Man sagt mir nach, dass ich eine Resistenz gegenüber Leuten habe, die mir helfen wollen. Ich will alles irgendwie selbst schaffen“, sagt er und lächelt. Am Ende werden es zwei Jahre Zwangspause. So lang war Coga noch nie verletzt. Er nutzte die Zeit, um festgefahrene Muster aufzubrechen und „mich neu zu erfinden“, wie er sagt. Schläge gehören zum MMA dazu. Die Hand kann nun schneller brechen. Irgendwo im Hinterkopf schlage diese Angst jetzt immer mit, sagt Coga, „aber ich bin bereit, alles zu opfern.“ Coga leitet Nachtclub in dritter Generation Allerdings, das ist ihm wichtig zu betonen, kehre er nicht aus finanziellen Gründen zurück. Die zwei Jahre Pause hätten ihn „finanziell nicht in den Ruin getrieben.“ Dass es auf einigen Webseiten heißt, er erhalte 30.000 bis 50.000 Euro pro Kampf, bezeichnet er als „totalen Humbug“. Über konkrete Zahlen will er nicht sprechen. „Aber wenn ich nur diesen Sport machen würde, könnte ich davon auch sehr gut leben.“ Andere Kämpfer nutzen ihre Reichweite durch YouTube-Blogs und Social Media als zusätzliche Einnahmequelle. Coga hält das ein „zweischneidiges Schwert“. In Sachen Facebook, Instagram und YouTube sei er „der Spätstarter“ in seinem Team. „Ich habe gerne meine Ruhe“, erklärt er. Zwar könne er mit den YouTube-Blogs inspirieren und den Sport bekannter machen, „aber dadurch wird diese Distanz gestört und die Leute haben das Gefühl, dass sie dich kennen, obwohl sie dich nicht kennen.“ Denn Coga hat neben dem Leben als Kampfsportler noch ein anderes. Seit 2019 führt er bereits in dritter Generation den Nachtclub „Pik Dame“ im Frankfurter Bahnhofsviertel. Hier ist Coga auch aufgewachsen. Sein Opa eröffnete den Club 1959 als Animierbar, in dem schon wenig später auch gestrippt wurde. Die Geschichte seiner Eltern ist eng mit dem Club verbunden: Seine Mutter war Tänzerin in der „Pik Dame“ und lernte so seinen Vater kennen. Als Kind verbrachte Coga viele Nächte im „Pik Dame“. In der Schulzeit wurde das zunehmend zum Problem, vor allem wegen der Eltern seiner Freunde und Klassenkameraden. „Weil ich teilweise mit fünf anderen 12-Jährigen bis 1 Uhr im Nachtclub gehockt habe. Die erste Frau, die sie nackt gesehen haben, war meine Mutter“, erzählt er lachend in einer Doku des „Hessischen Rundfunk“. In der Grundschule, als es um die Jobs der Eltern ging, habe er sich noch „ein bisschen geschämt.“ Deswegen sagte er zunächst, seine Eltern würden ein kleines Restaurant leiten. Mittlerweile ist das „Pik Dame“ ein gerade bei jungen Leuten angesagter Partyort, an dem auch Artisten und Künstler auftreten. Coga gehört die gesamte Immobilie. Im Erdgeschoss und im Keller befinden sich zwei Tanzflächen, darüber 13 Wohnungen für Familie, enge Vertraute und Mitarbeiter. Er selbst lebt auch dort. Eine Wohnung wurde zu einem kleinen Trainingsraum umgebaut. Jeden Sonntag wird als Hausgemeinschaft zusammen trainiert, darauf legt Max Coga großen Wert. Die Doppelrolle als Profi-Sportler und Clubbesitzer ist allerdings auch fordernd. “ Es wäre wahrscheinlich für jeden normalen Sportler eine absolute Belastung“, gibt Coga zu. „Profisport und Nachtleben sind zwei Sachen, die beißen sich extrem“. Aber er kenne es nicht anders und habe einen guten Weg gefunden – obwohl er jeden Tag im Club vor Ort ist. Coga kämpft gegen Jungwirth zwei Gewichtsklassen höher Seit Juli liegt sein Fokus aber wieder komplett auf der Vorbereitung für den Kampf gegen Christian Jungwirth. Es ist ein ungewöhnliches Match, denn sein 39-jähriger Gegner ist eigentlich zwei Gewichtsklassen über ihm eingeordnet. In YouTube-Videos ist zu sehen, dass sie sich gut verstehen, wenn sie sich nicht im Käfig gegenüberstehen. Freundschaft sei laut Coga zu viel gesagt, aber „ich habe sehr viel Respekt vor dem, was Christian Jungwirth geleistet hat.“ Jungwirth hatte sein MMA-Debüt erst mit 30 Jahren gegeben, entwickelte sich jedoch schnell zu einem Aushängeschild der Szene. Die Favoritenrolle liegt trotz des Gewichtsunterschieds aber eher bei Coga. „Ich würde lügen, wenn ich sage, ich habe keinen Druck. Aber es ist gleichzeitig auch Motivation“, sagt er. Am Ende bestimme er selbst, was für ihn Druck erzeugt. „Ich will einfach stark kämpfen und die Leute nicht enttäuschen.“ Ob es sein letzter Kampf sein wird, will Coga nicht beantworten. Seine eigene körperliche Leistungsfähigkeit sei der Maßstab, die Vorbereitung mittlerweile eine andere. Titel stünden nicht mehr im Vordergrund, sagt er. Es gab Jahre, in denen hatte er vier bis fünf Kämpfe. Das wird künftig anders aussehen. „Ich bereite mich immer auf einen Superfight vor, und den habe ich in der Regel einmal im Jahr.“ Als Kind, erzählt Max Coga, wollte er ein Held werden. Auf die Frage, ob man auch bei einer Niederlage ein Held sein könne, überlegt er nur kurz. Sein Comeback, sagt er dann, sei „symbolisch auf das Leben“ übertragbar, im Endeffekt müsse jeder Mensch schwierige Aufgaben und Schicksale meistern. Aber natürlich gehe es nicht nur darum zu gewinnen: „Du bist schon der Sieger, wenn du das Risiko eingehst.“ Nicht passiv sein, sei für ihn das Wichtigste im Leben und: „das Maximale herauszuholen.“