Nach Jahren der Flaute kommt eine völlig neue Generation Griechenland auf das DFB-Team zu. Was steckt dahinter? Für die deutsche Nationalmannschaft geht es am Sonntag mit dem nächsten Härtetest weiter. In Jürgen Klopps zweitem Spiel als Bundestrainer wartet im Rahmen der Nations League Griechenland. Über ein Jahrzehnt herrschte komplette Ebbe vor Athen, nun kommt eine Flut von neuen Talenten, die bereits den Sprung in die europäischen Top-Ligen geschafft haben. Borussia Dortmund etwa verstärkte sich im Sommer mit Konstantinos Karetsas und Giannis Konstantelias. Letzterer wurde kurzerhand verpflichtet, nachdem sein Klub PAOK Thessaloniki die Qualifikation zur Europa League verpasst hatte, der BVB zog sich zugleich vom Werben um Flügelstürmer Saïd El Mala zurück. Konstantelias schlug direkt ein, überzeugte beim Bundesliga-Saisonauftakt. Dann zog sich der Grieche jedoch einen Kreuzbandriss zu und fehlt monatelang verletzt. Nations League: Jürgen Klopp streicht BVB-Star aus Griechenland-Kader „Fühle, dass es falsch wäre“: Nationaltorwart boykottiert Spiele gegen Israel Auch Karetsas musste schon einen kleinen Rückschlag wegstecken, als er während der Champions-League-Partie gegen Villarreal aufgrund eines Kreislaufkollapses ausgewechselt wurde. Dennoch ist der 18-Jährige eine Bereicherung für die Dortmunder Offensive. Karetsas ist in der belgischen Stadt Genk geboren und schaffte den Sprung in den Profifußball über die Jugend vom KRC Genk , dem viermaligen Meister Belgiens. Dennoch entschied er sich dazu, für das Heimatland seiner Eltern aufzulaufen. Weitere Talente in England Auch Christos Tzolis ist kein Unbekannter mehr. Der Sohn der ursprünglich der griechischen Minderheit in Albanien angehörenden Eltern hat seinerseits eine Verbindung zu Deutschland: Er verbrachte in seiner Jugend einige Zeit bei Klubs in der Rhein-Main-Region, bevor er wieder in seine Heimatstadt Thessaloniki zurückkehrte. Später lief er für Norwich City sowie den damaligen Zweitligisten Fortuna Düsseldorf auf. Mittlerweile ist Tzolis als Flügelstürmer des englischen Meisters Arsenal aktiv. In England befinden sich weitere griechische Profis, die auf sich aufmerksam machen. Torjäger Charalampos Kostoulas, der aus der Jugend von Rekordmeister Olympiakos Piräus stammt, erzielte in dieser Saison bislang vier Tore in acht Spielen für Fabian Hürzelers Team Brighton. Mitspieler Stefanos Tzimas, der in der PAOK-Akademie ausgebildet wurde und einst beim 1. FC Nürnberg als Teenager den Durchbruch schaffte, muss sich unterdessen nach einem Kreuzbandriss zurückkämpfen, gilt aber weiterhin als großes Sturmtalent. Landsmann Christos Mouzakitis ist mit seinen 19 Jahren ein Perspektivspieler beim englischen Erstligisten Hull City, der den Mittelfeldmann im Sommer für 15 Millionen Euro von Olympiakos verpflichtete. Und die Liste ist noch um einiges länger. Aber wie kam es überhaupt zu dieser Jugendrevolution in Griechenland? Das Nationalteam gewann einst sensationell die Europameisterschaft 2004 unter Nationaltrainer Otto Rehhagel , aber selbst damals war das Land nicht mit einer Litanei an Ausnahmetalenten gesegnet. Es war eher die radikale Defensivtaktik von „König Otto“ und die Geniestreiche einiger Offensivkräfte, die Griechenland zum Titel führten. Doch nachdem die Generation um Traianos Dellas, Theodoros Zagorakis und Angelos Charisteas in den Ruhestand gegangen war, wurde es zunächst düster. Olympiakos und PAOK investierten in die Jugend Seit 2014 hat sich Griechenland nicht mehr für eine Welt- oder Europameisterschaft qualifiziert. Gleichzeitig geriet das Land im Zuge der Finanzkrise ab 2007 in enorme ökonomische Schwierigkeiten. Die Fußballklubs litten ihrerseits unter den Bedingungen. Olympiakos und PAOK entschieden sich dennoch vor rund 15 Jahren dazu, mehr und mehr Geld in die eigene Jugendausbildung zu investieren – und das sollte sich auszahlen. Olympiakos gewann 2024 mit Mouzakitis und Kostoulas sogar die Uefa Youth League, die U19-Version der Champions League . Mittlerweile ziehen andere Traditionsvereine nach, sofern sie die notwendigen Ressourcen haben. Zeitgleich konnte der Fußballverband erreichen, dass die Zahl der Uefa-lizenzierten Trainer exponentiell gestiegen ist. Damit erhöht sich die Qualität der Fußballausbildung generell, wenngleich aktuell noch sehr viel in Athen, Piräus und Thessaloniki konzentriert ist. Die neue Generation scheint dem Vernehmen nach etwas weltgewandter als die Vorgänger-Generationen, welche sich teilweise sträubten, ins Ausland zu gehen. Die heimische Liga selbst bietet nicht die Qualität, damit Talente den Schritt zum höchsten Level schaffen. Aber mit Tzolis, Kostoulas und Co. ist nun international wieder mit Griechenland zu rechnen. Zum Auftakt der Nations League schlug das Nationalteam Serbien in einem schwierigen Auswärtsspiel in Belgrad knapp mit 2:1 dank eines späten Treffers von Como-Stürmer Anastasios Douvikas. Nun geht es nach Augsburg, wo eine DFB-Auswahl im Umbruch auf die Griechen wartet.