Nationalmannschaft: Scherhant und sein ungewöhnlicher Weg ins Klopp-Team

Unter Bundestrainer Jürgen Klopp spielt Derry Scherhant erstmals in der deutschen A-Nationalmannschaft. Für den Freiburger Linksaußen wird damit ein Traum wahr. Noch vor wenigen Wochen hatte Derry Scherhant in einem Interview seinen größten Wunsch formuliert: Einmal unter Jürgen Klopp zu spielen. Dieses Ziel kann der 23-Jährige mittlerweile abhaken. Gegen Serbien (2:0) und Griechenland (0:0) stand er in der Startelf, lieferte starke Leistungen ab. Dabei war seine Nominierung so vor einigen Jahren noch nicht abzusehen. Aber der Linksaußen wurde für seinen starken Saisonbeginn belohnt. Ein Tor und sechs Vorlagen in sechs Pflichtspielen – so lautet Scherhants bisherige Bilanz beim SC Freiburg . Mit einigen Überraschungen : Das ist Klopps erster DFB-Kader Hoffenheims Bambasé Conté: Von der Zweitliga-Leihe zur Nationalmannschaft Mit seinen Qualitäten in Eins-gegen-Eins-Duellen und seinem Tempo zeigte der Flügelspieler in zwei Partien eindrucksvoll, warum er von Jürgen Klopp in die erste Elf berufen wurde. „Es hat sehr viel Spaß gemacht – ich hatte mir auch von Anfang an vorgenommen, Spaß auf dem Feld zu haben und mich nicht zu verstecken, einfach alles zu geben“, sagte er bei RTL. Das begeisterte sogar Lothar Matthäus: „Macht dieser Spieler Spaß, wow“, sagte er während der RTL-Übertragung des zweiten Griechenland-Spiels und schwärmte überschwänglich. Form-Aufschwung durch zwei Personal-Trainer Die starke Form hat Scherhant gezielt vorbereitet. In der Vorsaison kämpfte er phasenweise mit Problemen an der Patellasehne und spielte teils unter Schmerzen. Im Sommer arbeitete er mit zwei Personalcoaches. Beim SWR erklärte er: „Es ging darum, mich körperlich zu stabilisieren und noch mal eine Schippe draufzulegen.“ Mittlerweile hat er in Freiburg sogar Vereinsikone Vincenzo Grifo von der linken Außenbahn verdrängt. Besonders heraus stach das Hinspiel in der Conference-League-Qualifikation gegen den FC Motherwell (4:1). Teamkollege Lucas Höler schwärmte danach beim SWR: „Sein feines Füßchen ist gut eingestellt. Er ist super gut drauf und hilft uns gerade brutal. Von der zweiten Liga über die Bundesliga zum Nationalspieler Dabei ist seine Karriere im modernen Fußball mehr als ungewöhnlich, denn Scherhant hatte nie ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) besucht. Nur noch ganz selten schaffen es Spieler in den Profifußball, geschweige denn in die Nationalmannschaft, die die Ausbildungsstätten der Profiklubs nicht jahrelang besucht haben. Der gebürtige Berliner spielte in der Jugend bei mehreren Hauptstadtklubs – vom SC Charlottenburg über Tennis Borussia Berlin bis zu FC Viktoria 1889 Berlin – bevor er erst mit 18 Jahren in der Hertha-Akademie landete und dort zum Profi wurde. „Ich muss das alles im Nachgang noch richtig sacken lassen. Wenn ich überlege, wo ich vor fünf, sechs Jahren war … U17 kein NLZ, U19 kein NLZ … und dann stehe ich hier und spiele für die deutsche Nationalmannschaft – Gänsehaut. Das bedeutet mir alles, dass ich hier dabei sein konnte“, blickte er bei RTL auf seine bisherige Karriere zurück. Nach 145 Pflichtspielen für die erste und zweite Mannschaft von Hertha BSC wechselte er im Sommer 2025 für zwei Millionen Euro zum SC Freiburg. Trainer Julian Schuster warb persönlich um ihn. Einen Satz aus dessen Nachricht gab Scherhant preis: „Kein Trikot steht dir besser.“ Vor seinem Debüt in der A-Nationalmannschaft hatte der Offensivspieler für die deutschen Juniorenteams kaum Einsätze absolviert. Für die U20 und die U21 ist er jeweils zweimal aufgelaufen.