FC Bayern: Harry Kane verblüfft Jürgen Klopp – folgt jetzt der Ballon d’Or?

Harry Kane verblüfft Experten weltweit mit einem Auftritt, der selbst Jürgen Klopp vor ein großes Rätsel stellt. Folgt jetzt die Karriere-Krönung beim Ballon d’Or? Aus München berichtet Julian Buhl Harry Kane war wirklich nicht zu beneiden. Als der Topstürmer des FC Bayern nach dem 2:2 in der Champions League gegen Arsenal kurz nach Mitternacht in den Katakomben der Allianz Arena die Mixed Zone betrat, wusste der 33-Jährige ganz genau, was ihm jetzt noch bevorstand. Auf dem Weg zum Ausgang wartete noch eine Art Spießrutenlauf auf den Kapitän der englischen Nationalmannschaft. Denn sowohl die aus dem Vereinigten Königreich angereisten Reporter als auch die aus seiner Wahlheimat warteten dort auf ihn – und damit ein wahrer Interviewmarathon. Kane, der zuvor noch die Dopingprobe über sich ergehen lassen musste, kam als letzter Spieler in die Interviewzone. Vollbepackt mit zwei Tüten in der rechten Hand und der edlen Schatulle, in der sich die Man-of-the-match-Trophäe verbarg, lässig unter den Arm geklemmt, stellte sich Kane auch noch dieser allerletzten Herausforderung des Abends. t-online-Debatte: Sollte Harry Kane den Ballon d’Or verliehen bekommen? „Verdammt kompliziert“: Jetzt droht Bayern das Worst-Case-Szenari o An gleich mehreren Stellen blieb er jeweils vor einer Ansammlung von Journalisten stehen und stellte sich geduldig ihren Fragen. Als das geschafft war und die letzten Selfies mit einigen seiner drängendsten Fragestellern geknipst waren, durfte sich Kane endlich auf den Weg in den verdienten Feierabend machen. Mit höchster Professionalität hatte Kane schließlich diese letzte Aufgabe in der Mixed Zone gemeistert und auch dabei sein Multitasking-Talent als Alleskönner bewiesen. Kane stellt selbst Klopp vor ein einziges großes Rätsel Das war ihm bereits in den vorangegangenen 90 Minuten auf dem Platz einmal mehr eindrucksvoll gelungen. Kane schien schon dabei überall gefragt und dann auch tatsächlich gegenwärtig zu sein. Seine eigentliche Positionsbeschreibung als Mittelstürmer reichte da längst nicht mehr aus. Denn Kane ließ sich beim Duell mit seinem ehemaligen Jugendklub mitunter tief ins Mittelfeld fallen und agierte von dort aus teilweise als Spielmacher der Bayern. Seine für einen Mittelstürmer bisweilen extrem ungewöhnliche Positionierung stellte selbst Bundestrainer Jürgen Klopp bei der Beobachtung des Spiels im Stadion vor ein einziges großes Rätsel . Kein Wunder, denn Kane tauchte manchmal sogar in Liberoposition weit in der eigenen Spielhälfte auf. Und als er bei einem Abstoß den Raum erkannte, der sich vor ihm hinter der Mittellinie öffnete und in den Alphonso Davies gerade hineinsprintete, übernahm er kurzerhand auch noch diesen anstelle von Torhüter Manuel Neuer . Hätte Serge Gnabry die Großchance, die sich unmittelbar daraus ergab, nicht noch vergeben, hätte es dieser Spielzug, durch Kanes Geistesblitz eingeleitet, mit Sicherheit in jeden Rückblick auf die Highlights dieses Fußball-Kalenderjahres geschafft. „Nicht der Sinn und Zweck, dass Harry als Libero auftaucht“ Bayerns Sportvorstand Max Eberl sagte über Kanes ungewöhnlichen Bewegungsradius: „Das ist nicht der Sinn und Zweck, dass Harry dann irgendwann als Libero auftaucht.“ Aber es könne auch mal sein, dass Kane tiefer im Raum stehe und diese Bälle spiele, bei denen zum Beispiel Davies seine Schnelligkeit ausspielen könne. „Dann ist es auch ein wichtiger Faktor.“ Alleskönner Kane, der auch noch den Handelfmeter herausholte, souverän verwandelte und sich die t-online-Note eins verdiente, verblüffte damit weltweit die Experten. Der frühere und technisch äußerst versierte Weltklassestürmer Thierry Henry sagte im amerikanischen Sender CBS beispielsweise anerkennend: „Ich habe einen Mittelstürmer noch nie einen Abstoß ausführen sehen. Er spielt das Spiel nicht, er denkt es. Dieser Typ ist anders.“ Und Liverpool-Legende Steven Gerrard befand bei TNT Sports schlicht: „Meiner Meinung nach ist Harry Kane zweifellos der beste englische Spieler aller Zeiten.“ Und bald vielleicht auch der beste Spieler der Welt. „Meine Frau würde es lieber vorher wissen“ Kane gilt schließlich als aussichtsreicher Kandidat für den Ballon d’Or, mit dem der Weltfußballer dieses Jahres am Montag gekürt wird. Seit Wochen und Monaten bahnt sich dabei ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem spanischen Ausnahmespieler Lamine Yamal an. Auch Kanes Teamkollege Michael Olise , dessen Landsmann Kylian Mbappé sowie der spanische Weltmeisterkapitän Rodri werden als heiße Kandidaten für diese höchste individuelle Auszeichnung gehandelt. In diesem Jahr scheint die Wahl so offen wie nie zu sein. Und noch weiß niemand, wer am Ende tatsächlich triumphieren wird. „Ich glaube, meine Frau würde es lieber vorher wissen – und meine Familie macht allen ziemlich viel Stress“, verriet Kane, der gleichzeitig aber auch Verständnis dafür zeigte, „warum sie es den Leuten nicht verraten, denn sie wollen natürlich, dass alle kommen und alle großen Namen dabei sind. Und ich denke, es werden mehr Leute zuschauen, wenn sie den Gewinner noch nicht sicher kennen.“ Kane kann mit der Ungewissheit aber offenbar besser umgehen als seine Frau Katie. „Aus meiner Sicht würde ich es natürlich gern wissen, um einfach zu sehen, wie es ausgeht, und nicht die ganze Nacht warten zu müssen“, sagte er. Darauf habe er aber nun mal „keinen Einfluss. Wir müssen es einfach genießen und versuchen, uns nicht zu sehr zu stressen.“ Dass am Montag für ihn „eine ganz spezielle Nacht“ kommt, ist ihm trotzdem bewusst – zumal die Galaveranstaltung, die zum 70. Mal stattfindet, anlässlich dieses Jubiläums auch noch in seiner Heimatstadt London, also quasi in seinem Wohnzimmer, ausgerichtet wird. Kane jagt jetzt Ronaldo „Ich versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken, weil wir noch ein wichtiges Spiel am Sonntag (um 17.30 Uhr beim SC Freiburg; Anm. d. Red. ) haben. Aber natürlich ist es eine riesige Sache. Ich freue mich darauf und hoffe, dass es für mich speziell wird!“ Für Kane gilt jetzt also das Motto: Erst Breisgau, dann Ballon d’Or. Auf dem Weg dorthin jagt der Angreifer nun auch noch einen Rekord von Cristiano Ronaldo . Kane traf gegen seinen persönlichen Lieblingsgegner Arsenal nämlich bereits im zehnten Champions-League-Spiel in Folge. Nur Ronaldo schaffte das einst im Trikot von Real Madrid sogar in elf Königsklassenpartien in Folge. „Wenn man in einem Atemzug mit Ronaldo genannt wird, ist es immer etwas Besonderes. Es ist schön, jetzt bei zehn Spielen zu stehen – das ist ein guter Lauf“, sagte Kane. „Wir spielen in ein paar Wochen bei Atlético, und ich hoffe, dass ich die Serie dann ausbauen kann. Das wäre fantastisch.“ Kane hätte mit Sicherheit auch nichts dagegen, wenn er in der Zwischenzeit am Montagabend mit seinem ersten Triumph beim Ballon d’Or eine weitere Parallele zu dem mehrmaligen Weltfußballer vorzuweisen hätte.