Vor wenigen Wochen verkündete der Biathlon-Weltverband eine neue Regel für den Schießstand. Die Richtlinien werden in Norwegen kontrovers diskutiert. Kurz vor dem Start in die Weltcup-Saison hat eine Änderung im Regelwerk im Biathlon eine Diskussion entfacht. Ende September verkündete die Internationale Biathlon-Union (IBU) neue Vorgaben für den Schießstand. Biathleten müssen ihr Gewehr mit dem Riemen über beide Schultern tragen, bis sie die Schießmatte erreichen und wenn sie sie wieder verlassen. Bisher nahmen viele Athleten schon auf den letzten Metern hin zur Matte ihr Gewehr ab, um Zeit zu sparen. „Der Vorgang des Ablegens des Gewehrs darf erst eingeleitet werden, nachdem der Athlet die Schießmatte erreicht hat“, heißt es jetzt in den offiziellen Richtlinien. Sollte es zu einem Fehler kommen, müssen die Sportler diesen umgehend korrigieren, dürfen dabei aber keine anderen Teilnehmer behindern oder gefährden. Zum ersten Mal: Deutsche Olympiaheldin ist schwanger Ski-Ass leidet an Diabetes: „Mein Körper funktionierte nicht so, wie er sollte“ „Es ist offiziell“: Deutsche Weltmeisterin wechselt den Verband Bei der Regeländerung handelt es sich um eine verschärfte Sicherheitsmaßnahme, wie die IBU bestätigte. Vor allem in Norwegen wird sie heiß diskutiert. In der Biathlon-Nation sehen einige Stars der Szene das neue Reglement teilweise kritisch – unter anderem, weil es so kurzfristig eingeführt wurde. „Das kam schon ziemlich plötzlich“, sagte Johannes Dale-Skjevdal der staatlichen Rundfunkanstalt NRK. „Es reiht sich in die Reihe der Sicherheitsvorschriften ein, die die IBU einführt.“ Es sei dementsprechend schwer, etwas dagegen zu sagen. „Aber ich finde schon, dass es sich langsam häuft“, so der norwegische Massenstart-Olympiasieger. Sorge vor Fehlern: „Ein bisschen beunruhigend“ Teamkollegin Ingrid Landmark Tandrevold sieht derweil in der Umstellung der bisherigen Routine der Biathletin eine Hürde. Die vierfache Staffel-Weltmeisterin sagte: „Wenn man etwas zehn Jahre lang trainiert hat, ist es schwierig, das in einer stressigen Situation einfach umzustellen.“ Mit Martin Uldal schlug ein weiterer Norweger in eine ähnliche Kerbe. „Ich habe Angst, dass jemand im Winter unter Adrenalin in alte Gewohnheiten zurückfällt, einen Moment nicht daran denkt und sich dadurch blamiert. Das ist ein bisschen beunruhigend“, erläuterte er. Ein Verstoß gegen die Regel führt zu einer Disqualifikation. Bereits beim Loop One Festival in München Mitte Oktober wurde die Strafe konsequent durchgesetzt. Eine der Betroffenen: Leonora Rønhede. „Ich habe überhaupt nicht daran gedacht, dass es diese Regel gibt. Sie war mir völlig aus dem Kopf“, sagte die Dänin NRK. Dennoch konnte sie der Situation etwas Positives abgewinnen. „Es ist besser, wenn das jetzt passiert und nicht erst im Winter beim Weltcup. Das war Glück im Unglück“, so Rønhede. Norwegerin stellt sich „selbst eine Falle“ Die Konsequenz in den Bestrafungen hält Ingrid Landmark Tandrevold für richtig. Sie sei vor dem Start in München auch noch einmal darauf hingewiesen worden, vor dem Schießen auf ihre Hände zu achten, betonte sie. „Ich trainiere das jetzt schon seit einem halben Jahr, würde ich sagen“, erklärte Landmark Tandrevold und erläuterte, sich einen Kniff ausgedacht zu haben, um keinen versehentlichen Fehler zu begehen. „Ich halte die Stöcke in der Hand, mit der ich normalerweise unter den Gewehrriemen schlüpfe. So ist es unmöglich, dass ich das mache. Ich habe mir selbst eine Falle gestellt.“ Bei Mannschaftskollege Isak Frey haben sich die ursprünglichen Zweifel an der neuen Regel derweil komplett gelegt. „Am Anfang war ich etwas skeptisch, aber es hat überraschend gut funktioniert“, gab der sechsfache Europameister zu Protokoll. Man müsse sich ein paar Monate zu der Umstellung zwingen, dann werde es zur Gewohnheit. Laut Frey ist die neue Regel mittlerweile „Teil der Routine geworden“. Norwegens Mannschaft gehörte zu den ersten Teams, das von den geänderten Richtlinien erfuhr, da Ex-Sportchef Per Arne Botnan Teil des technischen Komitees und damit auch Teil der Entscheidung war. Schießtrainer Patrick Oberegger stellte klar: „Sobald das Thema aufkam, haben wir Maßnahmen ergriffen.“