Russland-Debatte überschattet Rankel-Debüt

Beim Deutschland Cup gerät die verpasste Titelverteidigung der deutschen Eishockey-Auswahl zur Nebensache. Für den Verband steht die WM im Mai auf dem Spiel – und die Zeit drängt. Das durchwachsene Bundestrainer-Debüt von André Rankel beim Deutschland Cup ist durch die Debatte um die Wiedereingliederung Russlands im Eishockey komplett in den Hintergrund geraten. Am Rande des Heim-Turniers in Düsseldorf sorgte sich der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) mehr um die Planung und Organisation der WM im kommenden Mai als um den sportlichen Auftritt mit Platz zwei hinter Lettland . Dabei sorgte das abschließende 4:3 (0:1, 0:2, 4:0) nach 0:3-Rückstand gegen die Slowakei noch einmal für ein bisschen Aufbruchstimmung Richtung Heim-WM, die es auf jeden Fall geben soll. Die zwischenzeitlich ins Spiel gebrachte WM-Rückgabe ist keine Option mehr. „Das ist nichts, was wir planen“, sagte DEB-Vorstandschef Frank Lutz. „Wir wollen die Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Deutschland abhalten und ich bin auch sehr optimistisch, dass wir das schaffen werden.“ Noch immer beschäftigt das umstrittene Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes Cas, der die Suspendierung russischer Teams wegen des Angriffskrieges gegen die Ukraine aufhob, die Funktionäre und Fans mehr als der Auftritt in Düsseldorf, der am Sonntag sportlich zufriedenstellend und mit einer furiosen Aufholjagd im Schlussdrittel endete. DEB braucht schnell Klarheit Für eine vernünftige WM-Planung wünscht sich der DEB in der Russland-Frage Klarheit noch in diesem Jahr. „Wir haben natürlich ein großes Interesse, dass sich das so schnell wie möglich löst, weil wir sind mitten im Kartenverkauf“, sagte Lutz. „Ich bin optimistisch, dass wir da in naher Zukunft eine Lösung hinbekommen werden.“ Nur wie das aussehen kann, darüber gehen die Meinungen auseinander. Der Weltverband IIHF kündigte einerseits Schritte zur Umsetzung des Cas-Urteils an und will andererseits in Gesprächen mit verschiedenen Verbänden das Problem lösen. Offenbar soll der russische Verband diplomatisch von einem Verzicht auf die WM-Teilnahme überzeugt werden. Der DEB hätte am liebsten, die IIHF würde die Suspendierung einfach neu begründen, etwa mit der Integrität des Sports, so wie es der Curling-Weltverband tat. Diese Begründung hielt vor dem Cas auch stand. „Man kann, wenn sich neue Sachverhalte ergeben, auch neue Entscheidungen, basierend auf diesen Sachverhalten, treffen“, sagte Lutz. Neuer Spielplan für U20-WM verschickt Die Zeit drängt. Bereits zum Jahreswechsel steht in Kanada die U20-WM an, auch Deutschland nimmt teil. Nach Angaben des Schweizer Verbands wurden alle Verbände über einen neuen Spielplan mit Russland und ohne Norwegen informiert. Die Russen sollen demnach in der Schweizer Gruppe spielen. Deutschland spielt in der anderen Vorrundengruppe. Trotz der politischen Neutralität der Schweiz erklärte der Nationalverband nun, dass die U20-Auswahl nicht gegen ein russisches Team antreten werde. Kanadas Premierminister Mark Carney hatte bereits angekündigt, dass es keine Visa für eine russische Auswahl geben werde. Auch für die A-WM hatten zahlreiche Nationen bereits angekündigt, im Fall der Fälle nicht gegen Russland anzutreten. WM-Sponsoren kündigten ihren Rückzug an. Auch für das Bundeskanzleramt soll es unvorstellbar sein, dass ein russisches Team in Deutschland an einer WM teilnimmt. Muss die Ukraine für Russland weichen? Offenbar war dies auch Thema in Gesprächen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selensky. Die Ukraine hatte sich sportlich als Aufsteiger für die A-WM qualifiziert, müsste aber eventuell wie Norwegen bei der U20-WM für Russland weichen. Dies lehnen DEB und Bundesregierung allein aus moralischen Gründen ab. Zur Verweigerung von Visa für russische Sportler ist der Bund auch mit Rücksicht auf den Deutschen Olympischen Sportbund und die Chancen einer Olympia-Bewerbung Münchens aktuell (noch) nicht bereit.