Erling Haaland schießt Norwegen ins WM-Viertelfinale. Doch nicht nur der Stürmer ist der Held einer ganzen Nation. Auch der Torwart hat einen entscheidenden Anteil am historischen Erfolg. Aus New York/New Jersey berichtet William Laing Sie rudern und rudern und rudern. Den historischen Coup bei der Weltmeisterschaft feierten Norwegens Nationalspieler einmal mehr auf ihre ganz spezielle Art und Weise. Im Stadion von East Rutherford in New Jersey, unweit der Weltmetropole New York, nahm das gesamte Team der Skandinavier nach dem hart erkämpften 2:1-Sieg über Brasilien vor der eigenen Fankurve auf dem Rasen Platz. Stürmer Erling Haaland hämmerte mit einem Schlagstock immer schneller auf eine Trommel und seine Mitspieler und die Anhänger auf den Rängen setzten das imaginäre WM-Boot mit kräftigen Armbewegungen in Bewegung. Norwegen schippert beim Turnier in den USA, Kanada und Mexiko auf einer Erfolgswelle. Erstmals überhaupt hat sich die Mannschaft von Trainer Ståle Solbakken am Sonntagnachmittag für das Viertelfinale einer Weltmeisterschaft qualifiziert. Einmal mehr konnte sich das Team bei Haaland bedanken. Der 25-Jährige, der zwischen 2020 und 2022 in der Bundesliga für Borussia Dortmund aufgelaufen war, traf mit seinem Doppelpack Rekordchampion Brasilien ins Mark und versetzte seine Landsleute in einen kollektiven Freudentaumel. Deshalb erhielt Haaland auch die Fifa-Auszeichnung als Mann des Spiels. Doch der heimliche Held in East Rutherford war eigentlich ein anderer Norweger, der wie der Torjäger einst in Deutschland gespielt hatte. Weltklasse-Tat: Nyland rettet wie einst Berger Mit 35 Jahren erlebte Ørjan Nyland gegen Brasilien vermutlich die Sternstunde seiner bereits langen Karriere als Profifußballer. Der ehemalige Torhüter des FC Ingolstadt (2015 bis 2018) und von RB Leipzig (2022 bis 2023) vereitelte mehrere Großchancen der Seleção – so wird die brasilianische Fußball-Nationalmannschaft auch genannt – und bewahrte seine Mannschaft bis tief in die Nachspielzeit vor einem Gegentor. Schon nach knapp einer Viertelstunde war er erstmals entscheidend zur Stelle, als er bei einem von Bruno Guimarães getretenen Elfmeter abtauchte und den Ball zur Seite abwehrte. Es sollte der Startschuss für die Nyland-Show werden. Im ersten Abschnitt griff der Schlussmann noch bei einer Hereingabe von Gabriel Martinelli (31. Minute) und einem Abschluss von Vinícius Júnior (40.) jeweils per Fußabwehr ein. In Durchgang zwei verkürzte er dann zunächst geschickt den Winkel für den durchgestarteten Endrick (59.) und ließ sich kurz darauf auch von einem abgefälschten Ball von Rayan nicht überwinden (62.). Zu Nylands wohl spektakulärster Parade kam es jedoch erst nach der norwegischen Führung. Kurz nachdem Haaland in der 79. Minute per Kopf das 1:0 erzielt hatte, wäre Abwehrmann Kristoffer Ajer beinahe ein Eigentor unterlaufen. Der 28-Jährige ging bei einem brasilianischen Angriff mit dem langen Bein dazwischen, beförderte den Ball dadurch aber per Bogenlampe auf das norwegische Gehäuse. Die Kugel senkte sich bedrohlich in Richtung des norwegischen Tors, doch Nyland verhinderte mit einer Weltklasse-Tat den Einschlag, lenkte das Spielgerät noch mit letzter Kraft im Rückwärtslaufen gegen den Pfosten. Die Parade erinnerte an eine ähnliche Rettungsaktion einer deutschen Nationalspielerin: DFB-Torhüterin Ann-Katrin Berger hatte im vergangenen Sommer im Viertelfinale der Europameisterschaft gegen Frankreich in vergleichbarer Manier ein Gegentor abgewehrt. Im Anschluss war sie von allen Seiten dafür gefeiert worden. Ex-Welttorhüter Oliver Kahn sprach von „der Parade des Turniers“, die „New York Times“ schrieb von einem „Geniestreich“. Der ist ein Jahr später auch Nyland gelungen. Nyland über Viertelfinaleinzug: „Eine enorme Leistung“ Nach seiner Galavorstellung gab Nyland dann noch selbst einen Einblick in seine Gefühlswelt. Nicht einmal die bevorstehende Dopingkontrolle konnte ihm dabei seine gute Laune verderben. „Das ist der langweilige Kram, den ich zuerst tun muss“, sagte er in der Mixed Zone der Arena. „Aber natürlich werde ich danach diesen Moment genießen.“ Die Partie gegen Brasilien sei das wichtigste Spiel seiner Karriere gewesen, stellte der Routinier zudem klar. „Es ist fantastisch, hier zu sein und dass ich Paraden zeigen und dazu beitragen kann, dass wir im Viertelfinale sind, was eine enorme Leistung ist“, so Nyland. Norwegen ist 2026 überhaupt erst zum vierten Mal bei einer Weltmeisterschaft vertreten, das erste Mal seit 28 Jahren. Jetzt können die „Løvene“ (auf Deutsch: Löwen) auch dank Nyland ihrer WM-Geschichte mindestens ein weiteres Kapitel hinzufügen. Im Viertelfinale wartet am kommenden Samstag in Miami Topfavorit England. Gegen das von Thomas Tuchel trainierte Starensemble um Bayern-Torjäger Harry Kane wird Norwegens Auswahlteam erneut auf eine Spitzenleistung seines Torhüters angewiesen sein, wenn nun auch noch der Halbfinaleinzug gelingen soll. Nyland dürfte ob dieser weiteren historischen Chance jedoch genug Motivation empfinden, einmal mehr die gegnerischen Offensivreihen zur Verzweiflung zu bringen – auch, weil er damit weiter Eigenwerbung betreiben würde. Der Vertrag des Schlussmanns beim spanischen Erstligisten FC Sevilla ist nämlich vor wenigen Tagen ausgelaufen. Momentan ist Nyland damit vereinslos. Doch Sorge scheint ihm dieser Umstand nicht zu bereiten. „Jeder weiß, wen er anrufen muss, wenn er jemanden braucht. Ich glaube, das habe ich heute gezeigt“, gab er sich selbstsicher. An Interessenten an ihm dürfte es nach dem Brasilien-Spiel auch nicht mangeln. Gut möglich also, dass Nylands Telefon mittlerweile schon ein paar Mal geklingelt hat. Nach der WM steht es womöglich gar nicht mehr still.
WM: Norweger Nyland erinnert gegen Brasilien an DFB-Star Ann-Katrin Berger
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Fall Balogun: DFB-Präsident Bernd Neuendorf fordert Aufklärung von der Fifa
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Laut Medienberichten soll Trump Infantino persönlich angerufen haben – woraufhin die Fifa Baloguns Rotsperre zur Bewährung aussetzte. DFB-Präsident Neuendorf verlangt eine Erklärung. DFB-Präsident Bernd Neuendorf fordert vom Fußball-Weltverband Fifa rasche Aufklärung im Fall des US-Stürmers Folarin Balogun. Dessen Rotsperre aus dem WM-Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina hatte die Fifa am Sonntag zur Bewährung ausgesetzt – laut AFP und der „New York Times“ nachdem US-Präsident Donald Trump persönlich bei Fifa-Präsident Gianni Infantino angerufen hatte. WM 2026 : Hier bahnt sich ein Riesenskandal an Trump-Intervention? : US-Regierung reagiert vielsagend Neuendorf gehört dem Fifa-Council an und ließ dem SID mitteilen: „Die Fifa sollte sich jetzt rasch zu Berichten erklären, wonach der Entscheidung zur Aussetzung der Roten Karte gegen den amerikanischen Spieler Folarin Balogun ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Fifa-Präsident Gianni Infantino vorausgegangen sein soll.“ Und weiter: „Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden. Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der Fifa.“ Durch die ausgesetzte Sperre ist Balogun für das WM-Achtelfinale der USA gegen Belgien am Dienstag spielberechtigt. Die Partie beginnt um 2.00 Uhr MESZ.
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