Die Rücknahme der Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun könnte weitere Konsequenzen haben: Weitere Fußballverbände wollen offenbar Platzverweise und Gelbe Karten bei der WM anfechten. Auf die Fifa droht nach der Begnadigung von US-Stürmer Folarin Balogun eine Protestwelle zuzurollen. Nach Informationen englischer Medien plant etwa der englische Verband FA, seine Optionen für einen Einspruch gegen die Rote Karte für Jarell Quansah aus dem Achtelfinale gegen Mexiko (3:2) zu prüfen. Ein Platzverweis zieht normalerweise automatisch eine Sperre von einem Spiel nach sich, Balogun wurde nach Intervention von US-Präsident Donald Trump von der Fifa „begnadigt“, seine Sperre von einem Spiel zur Bewährung ausgesetzt. Englands Teammanager Thomas Tuchel hatte nach dem Spiel darauf beharrt, dass der Platzverweis für Quansah, der bei Bundesligist Bayer Leverkusen unter Vertrag steht, nicht gerechtfertigt gewesen sei. Wie im Fall von Balogun wurde auf dem Feld zunächst kein Foul gepfiffen, der Schiedsrichter, Alireza Faghani aus dem Iran, griff erst nach der Intervention durch den VAR zur Roten Karte. England spielte dadurch ab der 54. Minute in Unterzahl. WM 2026: Alle Informationen im Newsblog Ex-US-Fußballer: „Mir tut die US-Nationalmannschaft leid“ Mit Blick auf einen möglichen Einspruch gegen die Rote Karte sagte Tuchel: „Wo hört das jetzt auf? Legen wir Einspruch ein, wenn eine Gelbe Karte keine Gelbe Karte ist? (…) Die Entscheidung ist gefallen. Wer hebt diese Entscheidung auf, und wann, und auf welcher Grundlage?“ Auf die Frage, ob nicht Kapitän Harry Kane bei Donald Trump anrufen könne, um eine Aufhebung der Sperre zu erwirken, sagte Tuchel erkennbar belustigt: „Vielleicht. Das ist ein guter Anfang.“ Trump hatte sich nach dem Spiel als Fan von Kane zu erkennen gegeben und berichtet, er habe mit Englands Kapitän schon Golf gespielt. Der französische Verband FFF hat unterdessen bereits eine Annullierung der Gelben Karte gegen Michael Olise beantragt. Der Münchner war am Samstag im WM-Achtelfinale gegen Paraguay (1:0) in der Nachspielzeit vom usbekischen Schiedsrichter Ilgis Tantaschew nach einer Auseinandersetzung mit Matías Galarza in der Nachspielzeit verwarnt worden. Videoaufnahmen zeigen jedoch, dass sich Galarza theatralisch zu Boden warf, ohne von Olise berührt worden zu sein. Sollte Olise im Viertelfinale gegen Marokko am Donnerstag in Foxborough erneut eine Gelbe Karte sehen, wäre er im Falle eines Halbfinaleinzugs gesperrt. Bradley Barcola und Manu Koné waren gegen Paraguay ebenfalls verwarnt worden. Balogun hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) die Rote Karte gesehen. Am Sonntag hatte die Fifa die Sperre für den US-Stürmer auf Bewährung ausgesetzt. US-Präsident Donald Trump hatte persönlich bei Fifa-Boss Gianni Infantino angerufen, um ihn um eine Überprüfung der Roten Karte zu bitten. Balogun ist somit einsatzberechtigt. Die Fifa-Berufungskommission argumentierte, dass Belgien am ursprünglichen Verfahren nicht beteiligt gewesen sei „und somit nicht befugt ist, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen“. Die Belgier bestätigten, dass sie über die Entscheidung informiert worden seien, aber: „Bis heute hat der RBFA weder eine Begründung für diese Entscheidung erhalten noch die Informationen, um die er seit Beginn dieses Verfahrens ersucht hat – namentlich eine Kopie der Entscheidung und der Begründung zur Spielberechtigung des Spielers sowie den Schiedsrichterbericht. Dies stellt einen Verstoß gegen die Fifa-Regularien dar.“ Trump hatte zuvor in Washington bestätigt, dass er Infantino telefonisch um eine Überprüfung der Roten Karte für Balogun gebeten hatte. „Ich habe um eine Überprüfung gebeten, weil ich nicht denke, dass es ein Foul war“, sagte der Präsident. Trump sprach von einer „schrecklichen Entscheidung“ des Schiedsrichters. Er habe dem Chef des Weltfußballverbands aber nicht gesagt, was er tun solle. Der US-Präsident sagte zudem, ihm sei zunächst nicht bewusst gewesen, dass eine Rote Karte eine Sperre für das nächste Spiel bedeute. Diese Regel sei „sehr unfair“. Zugleich erklärte Trump: „Ich verstehe Sport wirklich gut.“ Belgien will sich weiter wehren Infantino erklärte seinerseits, er habe Trump in dem Gespräch auf die Unabhängigkeit des Fifa-Disziplinarkomitees hingewiesen. „Ich habe erklärt, dass ein laufendes rechtliches Verfahren unter Einbeziehung der unabhängigen Rechtsinstanzen der Fifa besteht und dass der Fall zu gegebener Zeit von den zuständigen Stellen entschieden wird“, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme Infantinos. Der belgische Fußballverband legte Einspruch gegen die Aussetzung der Sperre ein und kritisierte, die Fifa habe „nicht die geringste Erklärung“ abgegeben. Belgiens Trainer Rudi Garcia hatte gesagt, er habe zunächst an einen Aprilscherz gedacht. Die Fifa erklärte den Antrag des belgischen Verbands am Montag für unzulässig. Der belgische Verband hat daraufhin weiteren Protest angekündigt. Sofern Balogun „auf dem Spielberichtsbogen des Schiedsrichters aufgeführt sein sollte“, würde Belgien „die Spielberechtigung des Spielers anfechten“. Darüber habe der RBFA den US-Verband informiert. „Damit bleiben alle weiteren Schritte offen“, hieß es am Montag vonseiten der Belgier.