Immer mehr Nationalspielerinnen wechseln ins Ausland und nur noch ein deutsches Team ist in der Champions League vertreten. Die Sorgen der Bundesliga verschärfen sich. Ein Jahr vor der Weltmeisterschaft in Brasilien herrscht im deutschen Frauenfußball Unruhe. Erst scheiterte Eintracht Frankfurt in der Qualifikation der Champions League nach Verlängerung an Paris Saint-Germain, dann verlor der VfL Wolfsburg das Elfmeterschießen gegen Inter Mailand . Seit Mittwochabend steht fest: Beide Klubs verpassen die „Königsklasse“. Für den Vizemeister aus Wolfsburg und den letztjährigen Liga-Dritten aus Frankfurt geht es nun im sportlich und wirtschaftlich weniger bedeutenden Europa Cup weiter. In der Ligaphase der Champions League ist damit nur noch der gesetzte FC Bayern vertreten. Eine ähnlich schwache Bilanz hatte es zuletzt 2017/18 gegeben, als nur Wolfsburg unter die besten 16 Mannschaften kam. Es ist ein sportliches Fiasko aus deutscher Sicht – und eines, das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt kommt. Denn die Niederlagen von Wolfsburg und Frankfurt passen zu einer Entwicklung, die den deutschen Frauenfußball seit Monaten beschäftigt: Die Bundesliga verliert Nationalspielerinnen, internationale Leistungsträgerinnen, Sichtbarkeit in Europa – und im internationalen Vergleich offenbar auch die Wettbewerbsfähigkeit. Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur, warum zwei deutsche Topklubs in der Qualifikation gescheitert sind. Sondern auch, wie attraktiv und konkurrenzfähig die Liga für Spitzenspielerinnen auf Dauer noch ist. Ein Wettbewerb im Übergang Die langjährige Nationalspielerin Alexandra Popp hatte bereits vor Monaten vor einem Aderlass gewarnt. Sollten weitere Nationalspielerinnen die Bundesliga verlassen, drohe Deutschland den Anschluss an die internationale Spitze zu verlieren. Das frühe Champions-League-Aus von Wolfsburg und Frankfurt ist nun ein deutliches Warnsignal. In diesem Sommer wechselten Nationalspielerinnen wie Selina Cerci (FC Arsenal), Vivien Endemann (FC Liverpool), Carlotta Wamser (Manchester City) und Elisa Senß (Real Madrid) ins Ausland. Auch internationale Stars wie Georgia Stanway (FC Arsenal) kehrten der Bundesliga den Rücken zu. Vor allem die englische Liga ist für Spielerinnen attraktiv geworden – wegen höherer Gehälter, besserer Infrastruktur und professionellerer Rahmenbedingungen. Adidas verabschiedet sich: DFB-Team läuft bei Klopp-Debüt im Sondertrikot auf Im Alter von 78 Jahren: Ex-Skirennfahrer gestorben Spielerinnenberater Jörg Neblung ordnete den Vorsprung zuletzt ein: „Insgesamt haben die Klubs eine überragende Infrastruktur“, sagte er dem NDR und nannte ein Beispiel: „Man City hat einen eigenen Koch. Das haben wir in Deutschland nicht.“ Während andere Ligen in hohem Tempo investieren, wirkt die Bundesliga vielerorts wie ein Wettbewerb im Übergang. Wie stark sich die Kräfteverhältnisse verschoben haben, zeigt sich besonders am Beispiel Wolfsburg. Der VfL gewann 2013 und 2014 die Champions League und stand 2016, 2018, 2020 und 2023 im Finale. Über Jahre war Wolfsburg eines der Schwergewichte des europäischen Frauenfußballs. Nun erlebt der Klub in der ersten Saison nach dem Abgang von Stürmerstar Alexandra Popp und des Sportchefs Ralf Kellermann (beide zum BVB) einen herben Rückschlag. National ist der FC Bayern dem VfL enteilt, wie zuletzt auch die 0:3-Niederlage im Supercup gegen die Münchnerinnen zeigte. International fehlt der Klub aus Niedersachsen jetzt ausgerechnet dort, wo er jahrelang das deutsche Aushängeschild war. Der Rückstand zu den anderen Ligen soll nun die neue Struktur perspektivisch verringern. Am 18. September will der neu gegründete Ligaverband bei einem außerordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die letzte Hürde auf dem Weg in die Selbstständigkeit nehmen. Ab 2027 soll der Verband für Durchführung und Vermarktung der Liga verantwortlich sein. Die Hoffnung ist klar: mehr Professionalität, mehr Sichtbarkeit, bessere Vermarktung – und langfristig wieder eine Liga, die für Fans, Sponsoren und Topspielerinnen attraktiver wird. Auswirkungen auf das DFB-Team Auch für Bundestrainer Christian Wück ist diese Entwicklung relevant. Zwar sammeln viele Nationalspielerinnen im Ausland auf höchstem Niveau Erfahrung. Doch für die Spielerinnen von Wolfsburg und Frankfurt fällt die Möglichkeit weg, sich in dieser Saison mit Europas Topteams zu messen. Gerade in einem WM-Vorbereitungsjahr ist das ein Verlust: weniger Spiele gegen europäische Topteams, weniger internationale Härte, weniger Gelegenheit, sich unter maximalem Druck zu beweisen. Ende September steigen Wolfsburg und Frankfurt in die zweite Qualifikationsrunde des Europa Cup ein. Der Anspruch war ein anderer. Stattdessen verliert der deutsche Frauenfußball ausgerechnet jetzt, wo die Liga eigenständiger und attraktiver werden will, europäische Sichtbarkeit. Es ist ein Warnsignal zur Unzeit.