Emmanouil Karalis gehört zu den besten Stabhochspringern der Welt – doch an Armand Duplantis kommt er nicht vorbei. Trotzdem ist er mehr als nur die Nummer zwei. Die Leichtathletik hat mit dem Schweden Armand „Mondo“ Duplantis seinen Weltstar gefunden. Der Stabhochspringer begeistert ein internationales Publikum, bricht alle paar Monate seinen eigenen Weltrekord und verschafft seiner Sportart ungeahnte Aufmerksamkeit. Seine Konkurrenten stehen in seinem Schatten. Für viele von ihnen markiert bereits die Einstiegshöhe des Schweden das Wettkampfende. Bei den Olympischen Spielen 2024 holte der US-Amerikaner Sam Kendricks Silber mit 5,95 Metern. Duplantis gewann Gold – und knackte mit 6,25 Meter seine eigene Bestmarke. Über Jahre hinweg zeigte sich ein ähnliches Bild: Ab einer Höhe von etwa sechs Metern hatte Duplantis den Sieg bereits sicher. Die einzige Frage war, ob er seinen eigenen Rekord noch einmal nach oben schrauben könnte. Doch damit ist jetzt Schluss. Denn einer seiner Gegner hat sich inzwischen zu einem echten Widersacher entwickelt: Emmanouil Karalis. Am kommenden Wochenende treffen Karalis und Duplantis erneut in der Diamond League aufeinander. Die jährlich stattfindende Serie von Leichtathletikveranstaltungen geht in Belgien ins Finale. Am Samstag steht dabei auch Stabhochsprung auf dem Programm. Gemeinsam an der Weltspitze Karalis wurde am 20. Oktober 1999 in Athen geboren. Seine Mutter Sara Karalis stammt aus Uganda, sein Vater kommt aus Griechenland. Durch ihn wurde unter anderem sein Interesse an der Leichtathletik geweckt, denn Charis Karalis war nicht nur selbst Zehnkämpfer, sondern auch der erste Trainer seines Sohnes. Angeblich verweigerter Test : Europameister Ansah kämpft gegen Dopingsperre Bekanntgabe auf Instagram : Deutsche Ex-Leichtathletin ist schwanger Bei der vergangenen Leichtathletik-Europameisterschaft landete Karalis auf Platz zwei hinter Duplantis und sicherte sich damit die Silbermedaille. Nur wenige Tage später stellte er bei dem Wettkampf Weltklasse Zürich einen griechischen Rekord mit einer Höhe von 6,20 Meter auf. Sprünge in dieser Höhe waren zuvor lediglich Duplantis gelungen. Damit überholte Karalis sowohl die Leistungen von Sergej Bubka (6,15 Meter) als auch von Renaud Lavillenie (6,16 Meter). Mit diesem Sprung schob er sich auf Platz zwei der ewigen Stabhochsprung-Bestenliste. Ein Erfolg, der Anerkennung verdient, doch kaum Beachtung findet. Denn Armand Duplantis legt immer noch mal einen nach: Mit 6,25 Metern überbot der Schwede den Rekordsprung von Karalis. Der Grieche wurde erneut Zweiter. Dabei springt Karalis bereits seit Jahren wiederholt Bestleistungen und stellt seine eigenen Rekorde ein. Erst am 28. Februar 2026 setzte er erneut seine damalige persönliche Bestmarke mit 6,17 Metern, was zeitgleich auch der griechische Rekord war. Mit den Sprüngen in Zürich überbot er sich schließlich selbst. Im Schatten eines Superstars Trotzdem ist es meist Armand Duplantis, der im Rampenlicht steht. In den vergangenen Jahren entwickelte sich der Schwede nicht nur zu einem sportlichen Helden, sondern auch zu einer eigenen Marke. Auf Instagram kommt er mittlerweile auf 1,6 Millionen Follower, hat lukrative Sponsoren-Deals mit Marken wie Turkish Airlines oder Lidl . Dazu führen er und seine Ehefrau Desiré Inglander eine öffentlichkeitswirksame Beziehung, teilen regelmäßig Fotos in den sozialen Medien. Abseits des Stabhochsprungs ist der Weltrekordhalter außerdem in das Musikbusiness eingestiegen. Seinen ersten eigenen Song „Bop“ veröffentlichte Duplantis Anfang 2025. Auch diese Medienwirksamkeit macht es Emmanouil Karalis schwer, aus dem Schatten des Superstars hervorzutreten. Und das, obwohl der Grieche als ernst zu nehmender Konkurrent von Duplantis gilt. Der Weltrekordhalter selbst bezeichnet Karalis als unfassbar talentiert. Das geht aus einem Gespräch mit dem europäischen Dachverband für Leichtathletik „European Athletics“ hervor. Ebenso sei Duplantis seit der ersten Begegnung klar gewesen, dass die beiden in ihrer Karriere mehrfach aufeinandertreffen würden. Duplantis und Karalis springen bereits seit 2015 gegeneinander. Immer wieder forderte Karalis den Rekordhalter heraus, über die höchsten Höhen zu springen. Immer wieder sind es die beiden, die zum Ende eines Wettkampfes vor der Sprungvorrichtung stehen. Karalis sieht seine Leistungen als Beweis dafür, dass alles möglich ist. Nach dem Sprung seines Lebens in Zürich erklärte er in einem Interview mit der Leichtathletik-Medienplattform „Runnerspace“: „Ich muss einfach weiter hart arbeiten und weiterhin Spaß haben.“ Außerdem hoffe er weitere spannende Duelle mit Duplantis, denn diese seien nicht nur gut für den Sport, sondern auch ein Gewinn für die Zuschauer, so Karalis. Ewiger Platz zwei? Gegenseitig bringen sich die beiden Top-Athleten zu Bestleistungen. „Ich pushe Mondo, er pusht mich. Jeder pusht den anderen“, erklärte er „Runnerspace“. Emmanouil Karalis sitzt Duplantis im Nacken und bleibt dennoch auf Rang zwei. Seine Leistungen sind Weltklasse. Emmanouil Karalis zählt zweifellos zu den prägendsten Athleten im Stabhochsprung. Mit konstanten Leistungen und der Fähigkeit, sich regelmäßig zu steigern, hat er sich einen festen Platz an der Weltspitze erarbeitet. Auch wenn er bislang hinter Armand Duplantis zurückbleibt, zeigt der Grieche, dass er ein ernst zu nehmender Konkurrent ist. Ob er den Schweden eines Tages übertrifft, bleibt abzuwarten – doch schon jetzt ist klar, dass er seinen Platz in der Geschichte des Sports sicher hat.