Formel 1: Kimi Antonelli – kommt jetzt das große Zittern?

Kimi Antonelli führt die WM-Wertung der Formel 1 an. An sein Heimrennen hat er aber bislang keine guten Erinnerungen. Und dann gibt es da auch noch diesen Rekord, um den ein Deutscher zittern muss. Es passt noch immer nicht so richtig mit Kimi Antonelli und seinem Heimrennen. Schon vor dem Auftakt ins Rennwochenende zum Großen Preis von Italien war klar: Der aktuell klar in der WM-Wertung führende Formel-1-Fahrer wird den Start beim traditionsreichen Lauf in Monza von ganz weit hinten erleben. Der Grund: Ein unerlaubter Wechsel des Motors an seinem Mercedes, den das Team nicht mehr aufschieben wollte. Um mindestens zehn Startplätze wird er dadurch nach hinten versetzt. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sagte vor dem Grand Prix am Sonntag (ab 15 Uhr im Liveticker bei t-online): „Das ist enttäuschend für ihn und für die Fans, die ihn zu Hause an der Spitze sehen wollen.“ Aber: „In unserem Sport werden Sentimentalitäten nicht belohnt.“ 59 Zähler liegt Antonelli aktuell vor seinem Mercedes-Teamkollegen George Russell und Rekordweltmeister Lewis Hamilton im Ferrari . Dazu ist er der erste Italiener seit dem legendären Alberto Ascari 1953, der als WM-Führender nach Monza kommt. Der frühere Formel-1-Pilot und heutige TV-Experte Jolyon Palmer legte sich im Vorfeld fest: „Wenn Kimi in Monza trotz einer Startplatzstrafe gewinnt, ist er Weltmeister“, sagte Palmer im Podcast „F1 Nation“. Gerade für Russell sei ein solches Ergebnis seines Teamkollegen „ein vernichtender Schlag“. Palmers Vorhersage hätte indes noch weitere Konsequenzen: Bei einem tatsächlichen Titelgewinn wäre Antonelli, der erst Ende August seinen 20. Geburtstag feierte, der mit großem Abstand jüngste Weltmeister der Formel-1-Historie. Die bisherige Bestmarke hält der Deutsche Sebastian Vettel , der 2010 beim ersten seiner insgesamt vier Triumphe 23 Jahre und 134 Tage alt war. Erst in diesem März löste Antonelli Vettel als jüngsten Fahrer ab, der sich eine Pole-Position sichern konnte. Selbst wenn es in diesem Jahr noch nicht mit dem Titel klappen sollte, hätte Antonelli also noch weitere Chancen auf den Rekord in den kommenden Jahren. Erinnerung an Oscar Piastri? Tatsache ist aber auch: Nach überragendem Start in dieser Saison mit fünf Siegen in Folge aus den ersten sechs Rennen lief es zuletzt nicht mehr ganz so gut für den jungen Überflieger. Seitdem kam aus weiteren sechs Grand Prix nur noch ein Sieg dazu, beim Großen Preis von Belgien Ende Juli. Überlegt er zu viel? Kommt jetzt das große Zittern? „Es wird irgendwann in dieser Saison den Moment geben, wo es zu ihm durchdringt: Ich kann Weltmeister werden. Und dann fühlt er den Druck“, sagte schon der frühere Formel-1-Fahrer Jenson Button, 2009 selbst Titelträger, vorher. Und tatsächlich schleichen sich immer wieder Fehler ein. Ein Wackler hier, ein Verbremser da – nichts, was für einen Piloten seines Alters ungewöhnlich wäre. Aber Antonelli ist nun mal WM-Führender. Einzelkritik nach Schalke-Remis: Bayern-Stars unsichtbar, glücklos, schwach Trikotvorstellung mal anders: Klub teilt Bild von zwei Frauen – und geht viral Erinnerung an einen Konkurrenten: In der vergangenen Saison war Antonellis McLaren-Rivale Oscar Piastri schon auf dem Weg zu seinem ersten WM-Titel, ehe eine Durststrecke einsetzte, die ihn letztlich den Titel kostete und seinen Teamkollegen Lando Norris zum Weltmeister machte. Start der schwarzen Serie: beim Großen Preis von Italien. Mittlerweile wartet der Australier seit einem Jahr auf den nächsten Sieg. „Ich werde es mehr genießen können“ Antonelli könnte ebenfalls alles verlieren. Hinzu kommt: Ausgerechnet an sein „Heimrennen“ hat er bisher keine guten Erinnerungen. Der Italiener war 18 Jahre alt, als er dort in seinem ersten Formel-1-Training schon nach zehn Minuten mit hohem Tempo in die Reifenstapel krachte. Er war 19, als sein Teamchef ihm eine „enttäuschende“ Leistung beim ersten Grand Prix in Monza bescheinigte. Damals belegte er im Rennen nur Rang neun, nachdem er erst für eine Kollision mit Williams-Pilot Alexander Albon eine Fünf-Sekunden-Strafe erhalten hatte und dann auch noch wegen wiederholten Überfahrens der Streckenbegrenzungen die schwarz-weiße Flagge gezeigt bekam. Nun hat er bei seinem zweiten Formel-1-Auftritt in der Lombardei durch die Strafe nur geringe Siegchancen, obwohl auf dem altehrwürdigen Kurs viele Überholmanöver möglich sind. Jedoch ist Kimi Antonelli 2026 ein anderer als noch im vergangenen Jahr. Der Jungstar geht dadurch wohl gelöster in den neuerlichen Lauf auf dem Autodromo Nazionale di Monza. „Andere Einstellung, anderes Mindset, ich werde es mehr genießen können“, sagte er im Vorfeld des Rennwochenendes. „Ich fühle mich viel erwachsener, viel mehr in Kontrolle. Ich habe bewiesen, dass ich gewinnen kann. Dieses Jahr Erfahrung macht einen Riesenunterschied, wie ich die Dinge angehe.“ Toto Wolff bestätigte zuletzt die mentale Stärke seines Schützlings: „Wenn er in den Rennmodus schaltet, geht er völlig darin auf. Man kann über Funk mit ihm sprechen, aber er hört einen nicht einmal, weil er ganz in seiner eigenen Welt versunken ist.“ Wilde Gerüchte um Ferrari-Wechsel Und das trotz der Gerüchte, die zuletzt aufkamen – nicht zum ersten Mal. „Wenn Kimi seine Karriere so fortführt, wie er es jetzt tut, und das alles so funktioniert, wie es im Moment aussieht, nichts dazwischenkommt, dann wird Kimi irgendwann auch in einem Ferrari sitzen“, sagte der deutsche TV-Experte Ralf Schumacher unlängst über den Hochtalentierten, der bereits in ganz jungen Jahren als große Zukunftshoffnung des Sports angesehen wurde und dieses große Versprechen nun einlöst. Die Ferrari-Spekulationen parierte Antonelli souverän. „Als Italiener weiß ich selbst, wie emotional wir werden, manchmal übermäßig aufgeregt“, sagte er dazu. Und weiter: „Es wird immer diese Art von Gerüchten geben. Ich muss damit leben.“ Er fuhr fort: „Ferrari ist riesig, eine tolle Marke. Aber ich bin zufrieden, wo ich bin. Mercedes hat mir die Chance gegeben, als ich noch ein Kind war.“ Jetzt muss es nur noch beim Heimrennen passen für Kimi Antonelli.