Titellos, mental schwach, nicht Bayern-würdig: Hoeneß und Hainer kritisieren die Basketballer des Rekordmeisters scharf. Nun soll ein neues Duo die Wende bringen. Aus München berichtet Julian Buhl Da, wo einst alles begann, kamen am Montagabend zahlreiche prägende Akteure und Wegbegleiter des FC Bayern Basketball zusammen. Der FCBB hatte in die Städtische Sporthalle an der Säbener Straße geladen, um dort sein 80-jähriges Bestehen zu feiern. Neben der aktuellen Führungsspitze des FC Bayern um Präsident Herbert Hainer und CEO Jan-Christian Dreesen durfte natürlich auch Ehrenpräsident Uli Hoeneß bei dem Jubiläum nicht fehlen. Schließlich war er derjenige, der das Basketballprojekt 2010 wiederbelebt und im folgenden Jahrzehnt maßgeblich gefördert und vorangetrieben hat. Aus dem Tagesgeschäft hat Hoeneß sich zwar längst zurückgezogen. Die Entwicklung seines Herzensprojekts verfolgt er dennoch weiterhin sehr eng. Und zuletzt ist die nicht wirklich nach seinen Vorstellungen verlaufen, wie er am Rande der Veranstaltung deutlich machte. Die vergangene Saison schlossen die ambitionierten Bayern-Basketballer schließlich am Ende sogar komplett titellos ab. Hoeneß erklärt Eberl-Wende: „Max hat ein Eigenbrötler-Dasein geführt“ Uli Hoeneß: Bayern-Ehrenpräsident huldigt Red-Bull-Gründer Mateschitz Mysterium Michael Olise : Nur eine Person kann vor Kameras mit ihm sprechen „Der Titel ist nicht immer alles entscheidend“, sagte Hoeneß, „aber die Art und Weise, wie wir die Spiele verloren haben, ich denke ans Pokal-Halbfinale oder das letzte Spiel gegen Alba Berlin, wo wir mit 20 Punkten führen. Das ist nicht Bayern München .“ Beim Heimturnier in München um den Pokaltitel waren die Bayern als Topfavorit schon im Halbfinale ausgeschieden – ausgerechnet gegen die Bamberg Baskets und deren Trainer Anton Gavel. Mit ihm haben die Bayern nun ihren früheren Meisterkapitän von 2018 als Trainer zurück nach München geholt. Im entscheidenden fünften Finalspiel der Bundesliga hatte der FCBB gegen Alba Berlin ebenfalls im heimischen SAP Garden den von Hoeneß angesprochenen Vorsprung und damit auch die Meisterschaft noch verspielt. „Da muss sich was ändern“ „Ich glaube, da muss sich was ändern“, sagte Hoeneß. „Man kann immer ein Spiel verlieren, aber wenn man mit 20 Punkten führt, dann darf das nicht passieren.“ Hoeneß weiter: „Und das hat nichts unbedingt mit der Klasse der Mannschaft zu tun, sondern mit der Mentalität.“ Nachdem Hoeneß der Mannschaft damit die Charakterfrage stellte, schloss sich auch Hainer mit deutlicher Kritik an und formulierte deutliche Erwartungen. „Es muss so sein, dass wir deutscher Meister werden!“, sagte Hainer mit Blick auf die neue Saison, in die die Bayern am Sonntag (18.00 Uhr) ausgerechnet mit dem Duell gegen Bamberg starten werden. „Und alles andere muss dann hinterher folgen.“ Damit meint er den BBL-Pokal, den der FCBB ebenfalls gewinnen will, und die Euroleague, in der es endlich mal wieder in die Playoffs gehen soll. Hainer will zur Mannschaft sprechen Dass die Ansagen der Bosse auch bis zu den Spielern durchdringen, das will der Präsident persönlich sicherstellen. „Die wissen alle, wo es lang geht“, so Hainer. „Aber ich werde, bevor die Saison losgeht, noch einmal zur Mannschaft sprechen und auch noch einmal klarmachen, was der FC Bayern ist und welche Erwartungshaltung wir haben.“ Von der Kaderstärke und dem Budget her sind die Bayern – ähnlich wie die Fußballer – ohnehin die klare Nummer eins in Deutschland. Man habe die Mannschaft „auch entsprechend noch einmal aufgerüstet mit neuen Spielern“, betonte Hainer. Unter anderem Welt- und Europameister Johannes Thiemann sowie die drei ehemaligen NBA-Profis Duane Washington, Miles Norris und MarJon Beauchamp wurden verpflichtet. Außerdem soll Star-Aufbauspieler Rokas Jokubaitis nach einem Jahr Verletzungspause jetzt endlich bei Bayern durchstarten. Verantwortet hat die Kaderplanung erstmals Thorsten Leibenath, der aus Ulm kam, wo er einst bereits gemeinsam mit Gavel ein erfolgreiches Gespann bildete. Hoeneß erklärte mit einem Schmunzeln, er habe „den Herrn Leibenath immer aus Distanz beobachtet, wie er uns geärgert hat, als Manager von Ulm.“ Denn, so Hoeneß weiter: „Wir haben uns immer wieder gefragt, wie es eigentlich kommt, dass er diesen Brasilianer und jenen Spieler da rausbringt, den unsere (Verantwortlichen; Anm. d. Red.) nicht gesehen haben.“ Und weiter: „Jetzt haben wir ihn denen weggenommen, damit er vielleicht die ärgert.“ So will der neue Coach gleich Geschichte schreiben Handeln die Basketballer jetzt etwa wie Hoeneß selbst früher beim Fußball, wo er auch gerne mal die besten Spieler und Trainer der ärgsten Konkurrenten nach München lotste? „Das ist genauso. So fängt’s meistens an“, sagte Hoeneß. Der Neustart beim FC Bayern Basketball mit Leibenath und Gavel soll aus Sicht der Münchner den Beginn einer neuen Ära markieren. Die von Trainerlegende Svetislav Pešić, der sich nach der verpassten Meisterschaft wieder Richtung Ruhestand verabschiedet hat und seinem Sohn Marko Pešić, der Mr. FC Bayern Basketball, der den Klub in den vergangenen 15 Jahren geprägt hat, ist nun endgültig Geschichte. Beide gehörten am Montag, wie unter anderem auch Holger Geschwindner, der Münchner Basketball-Pionier und Vertraute von Superstar Dirk Nowitzki, ebenfalls zu den Ehrengästen. Die großen Erfolge des vergangenen Jahrzehnts waren schließlich in großen Teilen ihnen und vor allem Marko Pešić zu verdanken. Fünfmal wurden die Bayern seit 2014 Meister – nach 2018 und 2019 zuletzt auch 2024 und 2025 zweimal in Folge. Gavel soll und will jetzt der Erste werden, der den Titel nach dem Triumph als Spieler auch als Trainer nach München holt. Sollte ihm das gelingen, würde der neue Coach der Jubiläumssaison der Bayern-Basketballer direkt eine ganz besondere persönliche Note verleihen – und ein weiteres Kapitel Klubgeschichte schreiben.