Frauen-Bundesliga ohne DFB: Wie geht es jetzt weiter?

Die Bundesliga der Fußballerinnen organisiert sich ab Juli 2027 eigenständig. Was sich dadurch für Vereine, Liga und den DFB ändert – und warum die TV-Vermarktung besonders im Fokus steht. Von einem starken Signal für den Frauenfußball in Deutschland sprach die mächtiger werdende FBL-Chefin Katharina Kiel. Und DFB-Präsident Bernd Neuendorf zeigte sich sicher, dass die 14 Erstliga-Clubs den Weg der Professionalisierung nun konsequent weitergehen werden. Klar ist: Die Frauen-Bundesliga wird ab kommendem Sommer alleinverantwortlich vom Ligaverband FBL e.V. organisiert – und eben nicht mehr vom DFB . Die Ausgliederung beschloss der digital abgehaltene außerordentliche DFB-Bundestag einstimmig. Was steckt im Detail hinter diesem historischen Schritt? Wie wird die Liga künftig organisiert? Ab der Saison 2027/28 werden sich die 14 Erstligaclubs selbst organisieren und vermarkten. Die Verantwortung für die Liga geht nach dieser Saison vom DFB auf den im Dezember gegründeten Frauen-Bundesliga FBL e.V. über. Stichtag ist der 1. Juli 2027. Das Modell orientiert sich an der Struktur der Bundesliga , ehemals Deutsche Fußball Liga (DFL), im Männerfußball. Größter Unterschied: Der DFB ist weiter für die 2. Liga der Fußballerinnen zuständig. Wer hat im FBL e.V. das Sagen? An der Spitze des Präsidiums steht Frankfurts Frauenfußball-Chefin Katharina Kiel. Erste Vizepräsidentin ist Veronica Saß vom FC Bayern , zweiter Vize Klaus Filbry vom SV Werder Bremen . Gesucht wird aktuell nach einer Geschäftsführerin, die in der noch zu gründenden FBL GmbH das Sagen hätte. Auch eine Doppelspitze – wie es sie bei den Männern mit Marc Lenz und Steffen Merkel gibt – gilt als Option. Was zahlt der DFB an die FBL? In einem Pacht- und einem Grundlagenvertrag zwischen DFB und FBL sind die rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Beziehungen zunächst von Juli 2027 bis Ende Juni 2034 geregelt. So zahlt der DFB jährlich 1,4 Millionen Euro an die FBL. In Jahren mit Frauen-EM oder -WM werden 200.000 Euro mehr fällig. Zudem wird der FBL e.V. mit 50 Prozent an einem möglichen wirtschaftlichen Überschuss aus den Endturnieren des Frauen-Nationalteams beteiligt. Die ab Sommer im FBL organisierten Vereine wirken dafür an der Vermarktung des Nationalteams mit. Obligatorisch, aber ebenfalls vertraglich geregelt: Die Clubs müssen ihre Spielerinnen für Frauen- und Juniorinnen-Nationalteams abstellen. Für die Schiri-Kosten in der Bundesliga kommen beide auf. Wie geht es mit der Jugend weiter? Für zertifizierte Leistungszentren im Frauen- und Mädchenfußball sagte der DFB je Verein jährlich mindestens 100.000 Euro zu. Hinzu kommen jährlich 500.000 Euro für die gezielte Förderung junger Spielerinnen durch Einsätze in der Frauen-Bundesliga, wie es in der Mitteilung hieß. Was fließt aus der Liga zurück an den Verband? Die FBL muss den DFB an den künftigen TV-Erlösen mit einem 3-prozentigen Pachtzins beteiligen. Auch für Ausbildungsentschädigungen (1 Prozent der TV-Erlöse) für Vereine in der Breite kommt die FBL auf. Die Regional- oder Landesverbände des DFB erhalten ab Sommer 2030 zudem 1,5 Prozent. Was könnte sich am Modus ändern? FBL-Präsidentin Kiel hatte bereits verschiedene Ideen präsentiert, darunter die mögliche Abschaffung des Montags-Spieltages, mehrere parallele Partien für eine Konferenzschaltung oder Playoffs, wie sie im Basketball oder Eishockey üblich sind. Kritik an K.-o.-Duellen um die Meisterschaft kam daraufhin unter anderem von Serienmeister FC Bayern und Vize VfL Wolfsburg . Wie ist der Stand bei der TV-Vermarktung? Ein zentraler Punkt ist, dass die Bundesliga die Fernsehrechte selbst ausschreiben und abschließen kann. Das Mandat hat die FBL bereits, allerdings wurde der Verkauf der TV-Rechte erneut verschoben. Auf Anfrage bestätigte die FBL, dass die Ausschreibung in der Woche vom 28. September angekündigt werden soll. Der von 2023 bis 2027 gültige Vertrag garantierte 5,17 Millionen Euro jährlich. Nun sollen die neuen TV-Verträge nur über zwei Jahre laufen.