Thomas Hitzlsperger wusste schon als Profi, dass er „anders“ ist. Nun blickt er auf eine schwere Zeit zurück. Der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat sich an die schwierige Zeit vor seinem Coming-out und damit verbundene körperliche Reaktionen erinnert. „Ich hatte so eine innere Anspannung, dass ich irgendwann angefangen habe zu schwitzen“, berichtete der Ex-Profi im NDR-Podcast „Wie geht’s? mit Robin Gosens“. „Auf einmal sitze ich da beim Mittagessen und fange an zu schwitzen.“ Mit „Mitte, Ende 20“ habe Hitzlsperger gemerkt, dass er nicht mehr in die Fußballwelt passe und die Kabine nicht mehr sein „Feld“ sei. „Ich bin anders, ich bin definitiv anders“, erinnerte sich der heute 44-Jährige. Er habe damals auch keine Lust gehabt, mit seinen Teamkollegen auszugehen, um eine Freundin kennenzulernen. Ihm sei vielmehr klar gewesen: „Ich will einen Freund kennenlernen, und das geht nicht.“ „Weg war nicht richtig“: Granit Xhaka kaufte gefälschten Impfpass Vorgaben der Uefa: DFB muss Trikot zum Klopp-Debüt ändern Zugespitzt habe sich die Situation nach seinem Wechsel nach Italien im Jahr 2010. „Eine Zeit lang ging das, und dann bin ich von Stuttgart zu Lazio Rom gewechselt, und da hat es mich dann echt zerrissen“, berichtete Hitzlsperger. In der Kabine sei er von seinen Teamkollegen nach Familie, Frau und Kindern gefragt worden. „Ich dachte, ich muss raus hier.“ Auch die neue Sprache und das ungewohnte Umfeld hätten die Situation erschwert. „Ich kann dem Trainer nicht erklären: ‚Ich habe ein Problem, habe massive Ängste, und schwul bin ich auch noch.‘ Das lief nicht. Das halbe Jahr in Rom war echt die Hölle“, erklärte Hitzlsperger über seine Zeit in Rom. Seine Karriere habe er in diesem Alter aber nicht ohne „offensichtlichen Grund“ beenden können, und habe dann „schon ein, zwei Jahre einiges ausgehalten“. Dennoch sei ihm klar gewesen: „Du kannst es nicht mehr verdrängen.“ Coming-out kostete ihn Jahre Zuvor habe er seine sexuelle Orientierung eine „Zeit lange geleugnet“, erklärte der Ex-Fußballer. Nach seiner Kindheit in einem katholischen Elternhaus habe er gedacht, „eines der schlimmsten Dinge ist, schwul zu sein und dann trifft es mich“. Nachdem er sich dies selbst eingestanden habe, seien auch die ersten Gespräche in seinem Freundes- und Familienkreis positiv verlaufen. Doch der Schritt an die Öffentlichkeit blieb für ihn lange unvorstellbar. „Ich konnte mir nie vorstellen, dass, in dem Moment, wo ich das öffentlich oder in der Kabine ausspreche, ich dann noch gut Fußball spielen kann“, berichtete Hitzlsperger. Er habe aber auch keinesfalls „vor einer großen Öffentlichkeit scheitern“ wollen. Den richtigen Zeitpunkt für das öffentliche Coming-out zu wählen, habe ihn Jahre gekostet, so Hitzlsperger, der seine Homosexualität schließlich erst nach seiner aktiven Karriere öffentlich machte. Er beendete seine Laufbahn 2013.