Deutschland bewirbt sich für die Austragung der Olympischen Sommerspiele. Aus der Politik gibt es Kritik, doch die Vorteile für ganz Deutschland überwiegen. Nach Monaten der Planung fällt am Samstag die Entscheidung: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wählt die Stadt oder Region aus, mit der sich Deutschland um die Austragung der Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewirbt. Statt Vorfreude auf ein sportlich wie gesellschaftlich einmaliges Erlebnis dominiert vielerorts aber Zurückhaltung – in manchen Städten sogar offene Ablehnung. Hamburg und Berlin, die sich ursprünglich ebenfalls bewerben wollten, zogen zurück. Im Rennen verbleiben München und Köln-Rhein-Ruhr. Die Hansestadt verzichtete infolge eines Bürgerschaftsreferendums, die Hauptstadt nach dem Wahlerfolg der Linken. Kritiker sehen mit Blick auf vergangene Ausrichtungen vor allem die Gefahr der Kostenexplosion oder des Leerstands. Doch aus der Erfahrung aus vorherigen Austragungen darf nicht die Angst des finanziellen Fiaskos folgen. Vielmehr muss die Lust im Vordergrund stehen, dass Deutschland es besser macht. Denn die enormen Investitionen können sehr wohl nachhaltig und im Sinne der Bevölkerung getätigt werden. Nach Linken-Wahlsieg: Berlin zieht Olympia-Bewerbung zurück Live im Free-TV: Hier sehen Sie den Berlin-Marathon Sportstätten werden für Olympia saniert oder erneuert, stellen perspektivisch neben Plattformen für den Breitensport mögliche Veranstaltungsorte für Vereine oder Konzerte dar. In Paris etwa, vor zwei Jahren Ausrichter der Sommerspiele, wird das Olympia-Schwimmbecken mittlerweile für den Unterricht dutzender Schulklassen genutzt. Die teils marode Infrastruktur wird in Form modernisierter Verkehrswege und Nahverkehrsanpassungen ebenfalls aufgepeppt. Ein neu gebautes olympisches Dorf kann bei angemessener Planung nach den Wettbewerben zudem in den nach Neubauten lechzenden Wohnungsmarkt integriert werden. So hat sich in München das Athletenviertel von 1972 heute in ein beliebtes Wohngebiet verwandelt. Das Sommermärchen zeigte die Kraft eines großen Sportevents Als größtes Sportereignis der Welt ist Olympia nicht nur ein geeignetes Löschmittel für Deutschlands infrastrukturelle Brandherde, es kann auch die deutsche Seele ein Stück weit heilen. Das Sommermärchen, die Fußball-Weltmeisterschaft 2006, hat das Land wochenlang in Feierlaune versetzt. Männer, Frauen und Kinder lagen sich auf offener Straße in den Armen, feierten mit Tausenden von Fahnen und Menschen aus aller Welt. Eine einende Kraft war auch bei der Heim-EM 2024 zu sehen. Deutschland zeigte beide Male auf der großen Bühne, wie viel dieses Land trotz des bröckelnden Images der perfekt geölten Maschine noch immer bewegen kann. Ein Zeichen, das ob der internationalen Konkurrenz, die in vielen Bereichen der Wirtschaft und des Sports vorbeizieht, auch in zehn bis 18 Jahren Balsam für eine ganze Nation sein wird. Vor allem die Jugend profitiert Als gigantisches, glitzerndes Event, das mit den größten Stars des Sports dennoch zum Greifen nahe vor der eigenen Haustür stattfindet, schafft Olympia schließlich etwas, das in diesem Ausmaße einzigartig ist: Es begeistert die Jugend nachhaltig für den Sport. Das schafft keine Kampagne. Kein zunehmend im Pay-TV verschwindender, um internationales Publikum bemühter Sportklub. Besonders zu einer Zeit, da der Jugend mangelnde körperliche Betätigung und ein kontinuierlich ansteigender Medienkonsum vor diversen Bildschirmen nachgesagt wird, ist ein solches, die Massen bewegendes Großereignis Gold wert. Die Entscheidung über die deutsche Bewerbung fällt nun also am Samstag. Die beiden verbleibenden Bewerber erhielten für ihre Konzepte die Bewertung „sehr gut“, könnten Deutschland beide erstklassig vertreten. Dafür braucht es nach dem Votum des DOSB aber deutschlandweit ein Miteinander – um am Ende auch Entscheidungsträger des Internationalen Olympischen Komitees zu überzeugen. Die Nörgelei muss enden, dann kann Olympia das Land voranbringen.