Israel gegen Irland: Eklat bei Nations League-Partie

Gesenkte Köpfe, kein Handschlag, Pfiffe von den Rängen. Die Partie Irland gegen Israel wurde zu einem politischen Eklat. Dieser war sogar vorher angekündigt worden. Keine Handshakes, kein Respekt bei der Hymne – und keinerlei freundschaftlicher Umgang: Das umstrittene Nations-League-Duell zwischen Israel und Irland hat zwar sportlich einen klaren Sieger gefunden, fand aber unter höchst unschönen Bedingungen statt. Beim 3:0 (3:0) der Iren im ungarischen Debrecen stand nicht der Fußball im Mittelpunkt. Die Spieler beider Teams verzichteten auf die sonst üblichen Gesten. Die Iren senkten ihren Kopf beim Abspielen der israelischen Hymne zu Boden, es gab weder das übliche Händeschütteln noch das Übergeben eines Wimpels. Einlaufkinder waren ebenso wenig vor Ort wie irische Fans. Überhaupt waren nur sehr wenige Zuschauer im Stadion, die Partie war auch für den deutschen Schiedsrichter Harm Osmers eine große Herausforderung. Die Republik Irland gehört seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen im Oktober 2023 zu den europäischen Ländern, die besonders deutlich ihre Unterstützung für die Palästinenser zum Ausdruck gebracht haben. Israels Existenzrecht wird ausdrücklich betont, gleichzeitig hat Dublin 2024 den Staat Palästina offiziell anerkannt. Erst nach einer langen Mannschaftssitzung hatten die Iren zugestimmt, das Spiel zu bestreiten. Torwart Gavin Bazunu wiederum wollte nicht gegen Israel antreten, er boykottiert beide Partien aus politischen Gründen. „Ich habe eine Entscheidung getroffen, die mir nicht leicht gefallen ist. Ich bin ein tiefgläubiger Mann und bemühe mich nach Kräften, ein Mensch mit Charakter und Prinzipien zu sein; daher halte ich es für falsch, an den bevorstehenden Begegnungen mit Israel teilzunehmen“, teilte der 24-Jährige bei Instagram mit. Hallgrímsson: Aussage war „dumm“ Die Wut angesichts der vielen Toten im Gazastreifen war auf irischer Seite groß. Trainer Heimir Hallgrímsson betonte im RTE-Interview, dass dies „eine der herausforderndsten Wochen für mich als Trainer“ gewesen sei: „Wir befinden uns in Situationen, die wir so noch nicht erlebt haben.“ Coach Hallgrímsson hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, einige seiner Spieler fühlten sich unwohl dabei, die Spiele bestreiten zu müssen. Seine kontroverse Aussage („Wir spielen nicht mit Völkermord, wir spielen gegen Völkermord. Wir spielen gegen Israel, wir spielen nicht mit Israel“) hatte der Isländer später als „dumm“ bezeichnet. Vom israelischen Verband gab es in den Sozialen Medien scharfe Kritik, Hallgrimsson habe „Dummheit, Ignoranz und Heuchelei“ an den Tag gelegt. Derweil liefen die irischen Spieler bei der Partie im ungarischen Debrecen mit schwarzen Armbinden auf das Feld – „um all derer zu gedenken, die in diesem Konflikt ihr Leben verloren haben“, wie es im Vorfeld mit Blick auf die Auseinandersetzung in Nahost hieß. Die meisten der paar Dutzend Zuschauer im sonst leeren Stadion pfiffen das irische Team konsequent aus. Doch das konnte nicht beirrt werden und entschied schon vor der Pause durch die Treffer von Troy Parrott (13.), Adam Idah (16.) und Jack Moylan (25.) die Partie. Moylan zog nach seinem Treffer die Armbinde aus und küsste sie.