Nations League: VAR-Pech für Klopp-Team – DFB-Elf verpasst Revanche

Die deutsche Mannschaft startet stark in die Partie in Thessaloniki. Dann aber entwickelt sich ein anderes Spiel. Einmal jubelt die Klopp-Elf umsonst. Am Ende wird es hitzig. Die deutsche Nationalmannschaft hat die Revanche für die überraschende 0:1-Heimniederlage vor einer Woche gegen Griechenland verpasst. Im Rückspiel in Thessaloniki kam die Elf von Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp am Sonntagabend nicht über ein 0:0 hinaus. Nur drei Tage nach dem ersten Sieg der Klopp-Ära (2:0 gegen Serbien) setzte es nun also den nächsten Dämpfer. In hitziger Atmosphäre im Toumba-Stadion verpasste es die deutsche Mannschaft besonders im ersten Durchgang, ihre optische Überlegenheit in Tore umzumünzen. Pech hatte das DFB-Team, als ein Tor von Jonathan Burkardt durch Eingreifen des Videoschiedsrichters (VAR) wegen eines zuvor erfolgten Handspiels annulliert wurde (35. Minute). Nach der Pause aber wurden die Gastgeber zunehmend selbstbewusster, erarbeiteten sich auch selbst gute Chancen. Am Ende stand dennoch das torlose Unentschieden. Szene betrifft einen DFB-Profi: Rote Karte bei Deutschland-Spiel Emotionaler Moment: DFB gedenkt toter Fans Der Bundestrainer kommt damit bei seinem Vier-Spiele-Start in der Nations League nur auf fünf Punkte und rangiert in Gruppe 2 auf Platz drei hinter den Niederlanden und Griechenland. Das würde nicht zum Einzug ins Viertelfinale reichen. Mitte November geht es für Klopp mit den Gruppenspielen in Serbien und zum Abschluss in Berlin gegen die Niederlande weiter. Dann wird der 59-Jährige nicht mehr mit zwei Kadern und etlichen Neulingen experimentieren, sondern mit einem A-Team um Kapitän Joshua Kimmich den Sechs-Punkte-Endspurt anstreben. Der in der Abschlusstabelle womöglich ausschlaggebende direkte Vergleich mit den Griechen bei Punktegleichheit ist schon verloren. So lief das Spiel Pfiffe und Buhrufe bei der deutschen Nationalhymne setzten gleich eine aggressive Tonlage im Stadion von PAOK Saloniki, das sich allerdings danach nicht als Hexenkessel entpuppte. Die Marschroute von Klopps Elf dieses Mal nur auf drei Positionen veränderter Startelf ohne Länderspiel-Neuling war klar. Sie hieß: Anknüpfen an das dominante 2:0 gegen Serbien drei Tage zuvor in München. Da hatte Jonas Urbig im Tor sein Debüt gegeben. Und Bayerns Nummer zwei durfte überraschend erneut ran – und stand dabei sofort im Fokus. Beim ersten griechischen Angriff über die linke Seite kam Giorgos Masouras völlig frei im Strafraum zum Kopfball. Urbig kratzte den Ball mit der Hand von der Linie – ein spektakulärer Reflex (2.). Es war ein Weckruf für Urbigs Vorderleute. Der 23-jährige Florian Wirtz führte die DFB-Elf in seinem 48. Länderspiel erstmals als Kapitän an. Und der Spielgestalter des FC Liverpool hatte auch die erste gute Aktion. Sein Schuss wurde aber zur Ecke abgefälscht (8.). Die Griechen, die im vierten Spiel innerhalb von zehn Tagen personell rotierten und unter anderem ohne den Dortmunder Konstantinos Karetsas begannen, verteidigten wieder tief und lauerten auf Konter. Beim 1:0 in Augsburg war die Taktik aufgegangen. Der deutsche Ballbesitz verpuffte Klopp tigerte in seiner Coaching Zone umher und sah, wie sich seine unerfahrene Mannschaft abmühte, Löcher in den griechischen Abwehrblock zu fräsen. Eine Freistoßvariante mit einem wuchtigen Schuss von David Raum führte nicht zum Torerfolg (25.). Torwart Kostas Tzolakis riss die Fäuste hoch. Sieben Minuten später jubelten Klopp und seine Spieler dann doch – aber nur kurz. Der klasse heraus gespielte erste Länderspieltreffer von Burkardt wurde nach Videobeweis einkassiert, weil Bischof im Mittelfeld vor seinem Pass auf den nicht nur in dieser Szene positiv auffallenden Linksaußen Derry Sherhant der Ball an die Hand gesprungen war. Auch ein Volley-Abschluss von Wirtz trudelte in der Nachspielzeit am Tor vorbei. 13:1 Torschüsse für Deutschland hieß es zur Pause – das Ergebnis hieß aber 0:0. Die Griechen kehrten mit BVB-Jungstar Kartetsas aus der Kabine zurück. Die Situation war unverändert. Ein Tor musste her. Wirtz blieb der Hauptinitiator. Aber es fehlte die Klarheit und auch die Coolness beim Abschluss wie beim Freiburger Scherhant (65.). Klopp brachte Nick Woltemade und Saïd El Mala als neue Offensiv-Optionen – die erhoffte Wirkung trat aber nicht ein. Es drohte zudem stets der griechische Gegenschlag und Lucky Punch wie im Hinspiel. Urbig strahlte im Tor Sicherheit aus. Wird der 23-Jährige schnell zum Nummer-1-Kandidaten? Die Angst vorm Déjà-vu war beim DFB-Team jedenfalls spürbar. Die Angriffsaktionen der Gastgeber wirkten zielstrebiger, die Abwehr um den Dortmunder Waldemar Anton und Malick Thiaw von Newcastle United war intensiv gefordert. Im Vorwärtsgang verpuffte der deutsche Ballbesitz ohne zwingende Chancen. Philipp Treu schoss aus kurzer Distanz drüber (87.).