Nicolò Tresoldi löst ein Wettbieten zwischen dem DFB und dem italienischen Verband aus. Obwohl er die deutschen Nachwuchsmannschaften durchlief, hat er eine besondere Beziehung zum italienischen Fußball. Mit starken Leistungen bei der deutschen U21-Nationalmannschaft und zuletzt auch in der Champions League hat Nicolò Tresoldi nicht nur auf Klubebene Interesse auf sich gezogen. Seit Wochen ist die Entscheidung, für welche A-Nationalmannschaft der gebürtige Italiener künftig auflaufen wird, Diskussionsthema in deutschen und italienischen Medien. Zwar spielte der Stürmer für die deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaften, zum italienischen Fußball hat der Sohn einer argentinischen Mutter aber enge familiäre Beziehungen. Sein Vater Emanuele Tresoldi spielte in den 1990er-Jahren als Linksverteidiger unter anderem für Atalanta Bergamo in der Serie A. „Er ist mein größtes Vorbild“, sagte Nicolò Tresoldi einmal in einem Interview. Seinen Herzensklub hat er aber unabhängig von der Karriere seines Vaters gewählt. Tresoldi ist bekennender Fan der AC Mailand . Und das liegt an seinem Opa. Tresoldi: „Mein Opa war der Golflehrer von van Basten (Marco van Basten war niederländischer Nationalspieler, Anm. d. Red.) und hat mir viel von ihm erzählt.“ Die gemeinsamen Besuche im San Siro entfachten seine Begeisterung für den Klub weiter. Sein Vater erinnerte sich im Gespräch mit der „Gazzetta dello Sport“: „Er hatte sich in Kakà, Inzaghi und Pato verliebt, und es war unmöglich, ihn davon abzubringen.“ Vom Tennis-Ass zum Fußballprofi Fußball war für Tresoldi selbst zunächst aber nicht die erste Wahl. Als Jugendlicher gehörte er zu den drei besten Tennisspielern seines Jahrgangs und war Teil der italienischen Nationalmannschaft . Als Nicolò Tresoldi 13 Jahre alt war, zog die Familie dann aber nach Hannover. Seine Mutter trat dort eine Stelle am Flughafen Langenhagen an. Schiedsrichter greift ein: Tennis-Star meckert Ballkind an Nach Hasswelle: Wolfsburg-Star deaktiviert Instagram-Profil Den Weg zu Hannover 96 ebnete der Sportkoordinator einer Partnerschule des Klubs, der ihn für ein Probetraining empfahl. Mit 15 Jahren begann Tresoldi seine Ausbildung bei 96. Heute hängt sein Trikot in der Legenden-Galerie des Klubs. Sein Profidebüt gab er 2022 mit 17 Jahren unter dem heutigen Hertha-Trainer Stefan Leitl . In 80 Spielen für die Niedersachsen kam er auf 14 Tore und sechs Vorlagen. Im Sommer 2025 wechselte er zu Club Brügge. In Belgien wurde er in seiner ersten Saison mit 19 Pflichtspieltoren Torschützenkönig und half dem Klub zum 20. belgischen Meistertitel. Drei Verbände, eine Entscheidung Tresoldis Herkunft macht ihn für gleich mehrere Nationalverbände interessant. Als Sohn eines Italieners und einer Argentinierin, aufgewachsen in Italien und ausgebildet in Deutschland, könnte er für alle drei Länder auflaufen. Derzeit spielt er für die deutsche U21 – und steht kurz vor einem Rekord: Zwei Treffer fehlen ihm noch, um Pierre Littbarskis Bestmarke von 18 Toren einzustellen. Seine endgültige Entscheidung will Tresoldi erst im Sommer 2027 treffen, nach der U21-EM, die er mit Deutschland bestreiten möchte. Sowohl Bundestrainer Jürgen Klopp als auch Italiens Nationaltrainer Roberto Mancini haben bereits Kontakt zu ihm aufgenommen. Nach seinem Dreierpack gegen Inter Mailand zuletzt in der Champions League äußerte sich Tresoldi zurückhaltend: „Ich habe mit den Leuten gesprochen, mit denen ich sprechen musste: Klopp, Mancini, dem deutschen und dem italienischen Verband. Ich habe ihnen meinen Standpunkt dargelegt, und sie wissen Bescheid. Mal sehen.“ Emanuele Tresoldi lässt die Frage ebenfalls offen. Im Gespräch mit der „Gazzetta dello Sport“ beschreibt er die Komplexität Entscheidung: „Sicher, ich bin Italiener, und Nicolò ist es auch – von Geburt an und durch seine Familie. Aber es gibt Verbindungen der Dankbarkeit, die man unmöglich ignorieren kann. Er ist dort aufgewachsen, spricht vier Sprachen, ist ein Weltbürger. In jedem Fall wird er jemanden enttäuschen. Aber man muss seine Entscheidung respektieren.“