FC Barcelona gegen Real Madrid: Hansi Flick hat „große Kunst“ entwickelt

Das Duell zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid zieht die Fußballwelt in ihren Bann. Dabei spielen drei Deutsche eine ganz entscheidende Rolle. Wenn Jan Platte über die Partie zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid spricht, dann in Superlativen. „Auf Klubebene ist es schon das Spiel der Spiele“, sagt er im Gespräch mit t-online. Der 50-Jährige wird den sogenannten Clasico am Sonntagabend (ab 21 Uhr im Liveticker bei t-online) für den Streamingdienst Dazn aus dem Stadion in Barcelona kommentieren. Nach längerer Zeit, in der sich jeweils einer der Klubs in der Krise befunden hatte, sei es nun wieder ein Duell auf Augenhöhe. Wobei Trainer Hansi Flick mit seinem FC Barcelona als Favorit in die Partie gehen dürfte – die Katalanen haben bisher alle neun Liga-Spiele gewonnen. Real hingegen liegt nach zwei Niederlagen bereits sechs Punkte hinter dem Tabellenführer. Schwindelgefühlen und Unwohlsein: Ex-Bundesliga-Trainer in Klinik eingeliefert „War geschockt“: Weltmeister reagiert auf Kompany-Kollaps Nach Roter Karte: Bundesliga-Profi erhält Todesdrohungen Gemeinsam mit t-online blickt Platte auf die entscheidenden Protagonisten aus deutscher Sicht. Hansi Flick: „Das ist ganz große Kunst und seine Handschrift“ Nach seinem Aus als deutscher Nationaltrainer 2023 hat sich Hansi Flick als Trainer nicht neu erfunden – und anders als beim DFB-Team hat er damit beim FC Barcelona großen Erfolg. „Nach der Bayern-Zeit konnte man das Gefühl bekommen, die Haltbarkeit des Flick-Fußballs ist überschaubar. Aber jetzt hat man das Gefühl, dass vom FC Barcelona noch viel kommen wird“, sagt Platte. Flick hätte die Mannschaft stufenweise ausgebaut und entwickelt. In seinem dritten Jahr als Trainer der Katalanen spielt die Mannschaft nahe der Perfektion. Viel Ballbesitz, lange Passstaffetten und enorm viel Tempo und Torgefahr (39 Tore in neun Spielen) prägen das Offensivspiel. „Was sie taktisch machen, ist ganz große Kunst und die Handschrift von Hansi Flick“, lobt Platte. Spielentscheidend sei dabei das Mittelfeldduo Rodri und Pedri. Auch die große Schwachstelle, dass sie durch eine hoch stehende Abwehrreihe viele Konter-Gegentore kassierten, haben sie besser im Griff. Wie Flick das gelungen ist? Mit den gleichen Methoden wie auch schon beim FC Bayern , als er innerhalb kürzester Zeit sechs Titel gewonnen hatte. In Barcelona sind es bisher zwei Meisterschaften und ein Pokalsieg. Dabei kommt ihm seine öffentlich zurückhaltende und empathische Art gegenüber den Spielern besonders zugute. Stürmer-Star Raphinha sagte der „Gazzetta dello Sport“: „Er gab mir Selbstvertrauen und half mir, Seiten an mir selbst zu erkennen, die ich vorher nicht gesehen hatte.“ Statt vor zwei Jahren einen Abgang zu forcieren, blieb der Brasilianer, ist mittlerweile Kapitän und mit zwölf Toren in acht Spielen Top-Torschütze in der Liga. Das betrifft jedoch nicht nur den Stürmer, sondern den ganzen Klub, der normalerweise auch von der Spielerseite aus sehr unruhig ist. „Du hörst öffentlich keine Beschwerden aus diesem wirklich besonderen Kader. Keiner lässt sein Ego raushängen – nicht einmal Lamine Yamal“, beobachtet Spanien-Experte Platte. Für den Dazn-Kommentator hat Flick dadurch sogar indirekt einen entscheidenden Anteil an Spaniens Weltmeistertitel. Acht Spieler der Katalanen waren im Kader von Luis de la Fuente. „Für mich ist er ein zweites Mal Weltmeister als Co-Trainer geworden“, ordnet Platte mit Blick auf Flicks ersten WM-Titel 2014 an der Seite von Jogi Löw ein. Zwar hätten nicht alle Barca-Stars viel Spielzeit bekommen, aber „selbst Lamine Yamal hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt und aktiv nach hinten gearbeitet. Das ist auch ein Verdienst von Hansi Flick“. Und trotz aller Millionen-Transfers, die Barcelona tätigt, baut Flick immer wieder Spieler aus der eigenen Jugend in die Mannschaft ein. „Man kann dem gar nicht anerkennend genug gegenübertreten, was er in Barcelona geschafft hat“, bewertet Platte. Dazu gehöre jedoch nicht nur Flick allein, sondern auch sein komplettes Trainer-Team um Marcus Sorg und Heiko Westermann . „Khedira kann Mourinho nochmal neue Perspektive zeigen“ Auf der anderen Seite steht Sami Khedira vor einer ungewohnten Rolle im „Clasico“. Als Spieler absolvierte er 21 dieser Duelle, in den vergangenen Jahren begleitete er die Partie als Experte und Kommentator gemeinsam mit Jan Platte für Dazn. Der Austausch zwischen beiden bestehe weiterhin, beschränkt sich aber eher auf unregelmäßige Nachrichten und einen lockeren Smalltalk über familiäre Dinge, erzählt Platte. Denn seit dem Sommer arbeitet Khedira als Co-Trainer bei Real Madrid im Stab von Star-Trainer José Mourinho . Die spanische Zeitung „AS“ schrieb bereits nach einigen Wochen in seiner neuen Position, dass Khedira „ein anderer Mensch“ sei. Der 2014er-Weltmeister sei „ein großer Anführer“ und erhalte viel Lob für seine Führungsstärke und sei in der Kommunikation direkter als noch in seinen Zeiten als Spieler. Was damit in der alltäglichen Arbeit gemeint ist, erklärt Jan Platte. „Mourinho schätzt seine Meinung. Und Sami ist jemand, der den Dialog sucht, Vorschläge macht und eigene Ideen einbringt, weil er sich so viel mit Fußball beschäftigt. Und dadurch kann er möglicherweise auch Mourinho noch einmal eine neue Perspektive aufzeigen.“ Gegen Barcelona stehen Khedira und Mourinho vor der Aufgabe, Superstar Vinicius Jr. zu ersetzen, der mit einer Rot-Sperre fehlt. „Es ist keine Schwächung, wenn Vini Jr. aktuell nicht spielt“, ordnet Platte den Ausfall ein. Denn der Brasilianer ist seit Monaten außer Form. Offensiv gelingt ihm kaum etwas und sein Wille, der Mannschaft in der Defensivarbeit zu helfen, ist nur wenig ausgeprägt. Dafür wird wohl Ex-Bundesliga-Star Yan Diomande seine Chance von Beginn bekommen. Adeyemi blüht in Joker-Rolle in Barcelona auf Einen wirklichen Einfluss auf das Endergebnis kann aus deutscher Sicht vor allem Karim Adeyemi nehmen. Noch im Sommer war die Verwirrung bei vielen Experten groß, dass Barcelona 22 Millionen Euro an den BVB für Adeyemi bezahlt. Denn der 24-Jährige stand für Dortmund in der kompletten Rückrunde 2026 nur einmal über 90 Minuten auf dem Platz. Doch bisher ist er in Katalonien gut angekommen – auch das sei laut Platte ein großer Verdienst von Hansi Flick. Adeyemis vier Tore und drei Vorlagen in 12 Pflichtspielen brachten ihm sogar umgehend eine DFB-Nominierung von Jürgen Klopp ein. Jan Platte mahnt jedoch davor, zu schnell in Jubelstürme zu verfallen. „Es war mir ein bisschen überhöht, dass man in dieser langen Nations-League-Phase dachte, er schießt auch gegen die Niederlande vier Tore und alles ist gut.“ Adeyemi brauche immer noch seine Zeit, um sich an das neue Team und vor allem den Spielstil zu gewöhnen. „Bei Barca schlägt keiner Flanken auf Verdacht. Es wird lieber einmal mehr der Kopf hochgenommen und wenn man sich nicht sicher ist, wird der Ball hintenrum gespielt. Da hat er gerade zu Beginn ein paar Barca-untypische Entscheidungen getroffen. Aber man sieht, dass er ständig dazulernt“, stellt der langjährige Dazn-Kommentator beispielhaft dar. Sein Gespür, wann ein Dribbling und wann ein Pass die bessere Lösung ist, werde immer besser. Daher „wird er in den nächsten Jahren wahnsinnige Zahlen auflegen“, ist Platte sicher. Bisher stand er nur in 33 Prozent der Spiele in der Startelf. Dabei füllt Adeyemi vor allem die Rolle als Joker hervorragend aus und wird wohl auch gegen Real Madrid von der Bank kommen.