FC Bayern gewinnt bei Atlético: Lennart Karls Jubel bleibt das Tuschelthema

Bayern-Jungstar Lennart Karl trifft beim Sieg in Madrid und erregt mit seinem Jubel Gesprächsstoff. Seine Geste lässt brisanten Interpretationsspielraum offen. Aus Madrid berichtet Julian Buhl Nach dem 2:0-Sieg am Dienstagabend bei Atlético Madrid war Lennart Karl mal wieder das große Gesprächsthema beim FC Bayern . Auch wegen seines wichtigen Führungstreffers, bei dem er seinem Gegenspieler Robin Le Normand im Strafraum den Ball geklaut und ihn dann lässig über Torhüter Jan Oblak gechippt hatte. Champions League: FC Bayern gewinnt Kracher bei Atlético Madrid Aber eben nicht nur deshalb. Diskussionsstoff lieferte Karl vor allem mit seiner provokanten Geste , die er unmittelbar nach seinem Tor zeigte. Dabei führte er beide Hände in Richtung seiner Ohren und ahmte mit ihnen Mundbewegungen nach. Damit ließ er Interpretationsspielraum offen. Der Schluss, dass die Blabla-Geste sich an seine Kritiker richten sollte, liegt nahe. Aber zielte sie etwa auch direkt auf Sportvorstand Max Eberl , der Karl zuletzt ein „Leistungsloch und den einen oder anderen Fehltritt“ attestiert und dafür bereits einen Rüffel von Karls Berater und DAZN-Experte Michael Ballack eingehandelt hatte? Oder gar auf Uli Hoeneß , der die öffentliche Debatte um den 19-Jährigen quasi ins Rollen gebracht hatte? Der Ehrenpräsident hatte in der „Welt am Sonntag“ angekündigt, demnächst ein „ernstes Gespräch“ mit Karl führen zu wollen. Denn der sei, so Hoeneß, „noch lange kein Superstar, junge Spieler brauchen Demut“. Die stellte Karl mit seinem Jubel zumindest nicht gerade unter Beweis. Manuel Neuer: „Habe jeden Tag Schmerzen beim Gehen“ Antwort auf Hoeneß? Lennart Karl mit deutlicher Geste beim Torjubel Bayern will Karls brisante Geste nicht kommentieren Die Reaktion der Bayern darauf spricht Bände. Denn nicht ohne Grund wollte oder sollte auch keiner der Protagonisten im Estadio Metropolitano darüber sprechen. Als Eberl dort in den Katakomben vor die Kameras trat, behauptete er, Karls Jubel „ehrlicherweise gar nicht gesehen“ zu haben, „weil ich mich auch gefreut habe und dann schaue ich nicht, was die machen. Es freut mich für ihn, dass wir das Tor geschossen haben“. Tom Bischof sagte nur knapp mit einem Grinsen, dass er Karl zwar sehr nahestehe, aber nicht wisse, was seine Jubelgeste zu bedeuten habe. Auch Kapitän Manuel Neuer blieb im Streitfall Karl lieber im Allgemeinen und sagte generell über seinen Teamkollegen: „Da gibt es nichts zu diskutieren und auch nichts zu thematisieren.“ Karl sei „für uns ein wichtiger Spieler“, befand Eberl noch: „Das haben wir nie in Abrede gestellt.“ Der Jungstar habe nach hinten mitgearbeitet, sei „unfassbar fleißig gewesen und dann belohnt er sich mit dem Tor“. „Meinem Sohn verbiete ich den Jubel“ Deutliche Worte zu Karls Jubel fand dagegen Ex-Bayer und Prime-Video-Experte Mats Hummels . „Den sehen wir viel zu oft mittlerweile“, sagte der Weltmeister von 2014. Kritik sei nun mal Teil des gut bezahlten Profigeschäfts. „Mein Sohn ist acht. In den Spielen von seiner Mannschaft sehe ich schon Kinder diesen Jubel machen“, so Hummels. Aber: „Meinem Sohn verbiete ich den Jubel.“ Eberl war darum bemüht, das Thema Karl nicht allzu sehr in den Mittelpunkt zu rücken und stattdessen die „Weltklasseleistung“ der gesamten Mannschaft zu betonen, die sie in dem als Hexenkessel bekannten Stadion abgeliefert habe. Dabei hob er lieber andere Akteure hervor wie Abwehrchef Dayot Upamecano . „Gott sei Dank haben wir den verlängert“, sagte Eberl. Der Franzose spiele schließlich „schon seit Wochen auf Weltklasseniveau“. Konrad Laimer, der per Traumtor zum 2:0 unter die Latte traf und sich genau wie Upamecano auch die t-online-Note eins verdiente, sei „wie eine Maschine“, so Eberl. Der Österreicher passe „perfekt hierher“ und sei mit seinem Einsatzwillen eine Art Dauer-Energiegeber für die Mannschaft. Karls Jubelgeste bleibt ein Tuschelthema Eberls Lobeshymnen änderten aber nichts daran, dass vor allem Karl und dessen Jubel auch beim Bankett der Bayern das Tuschelthema blieb. Karl wurde dort im Festsaal des noblen Inside-by-Meliá-Hotels in erster Linie aber auch von den geladenen Gästen für seinen Treffer gefeiert, mit dem er den Sieg der Bayern in Madrid auf den Weg gebracht hatte. Nach zuletzt zwei Unentschieden in Folge ist der deutsche Rekordmeister damit nun wieder auf Kurs in Richtung der ersten acht Tabellenplätze unterwegs, die den direkten Einzug ins Achtelfinale garantieren. Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen erinnerte in seiner Bankettrede daran, dass Bayern zum allerersten Mal überhaupt bei Atlético gewonnen habe. „Ihr habt heute einen ganz großen Schritt in die richtige Richtung gemacht“, rief er der Mannschaft zu. „Ihr habt gezeigt, dass mit uns als FC Bayern immer zu rechnen ist, auch in einer schwierigen Zeit.“ Die Bayern mussten auch in Madrid auf ihren Chefcoach Kompany verzichten – genau wie auf einige verletzte Stammspieler. Mit dem Triumph an ihrem Sehnsuchtsort dürfen die Münchner trotzdem weiter von einer Rückkehr in das Finalstadion dieser Champions-League-Saison zum Endspiel im Juni träumen. „Es war ein extrem wichtiger Schritt in der ganzen Situation“, sagte Eberl auf t-online-Nachfrage. Man denke jetzt gar nicht an das Finale der Champions League , sondern habe „gerade andere Themen, die wir lösen wollen, lösen müssen“, so Eberl weiter: „Und wenn du aus so einer schwierigen Phase so hervorgehen kannst, dann kann hinten raus auch was Großes entstehen.“ Manuel Neuer wurde da deutlich konkreter. Der Kapitän sagte, „dass wir sehr gerne im Sommer noch mal hier zurückkehren würden“. Das gilt mit Sicherheit auch für Lennart Karl.