Rafael Jódar scheidet völlig überraschend in der ersten Runde der US Open aus. Selbst Deutschlands Tennislegende Boris Becker zeigt sich besorgt. Er hat Geschichte geschrieben, und das mit erst 19 Jahren – aber anders, als er selbst sich das erhofft hat. Mit 2:6, 1:6, 1:6 wurde Rafael Jódar in der ersten Runde der US Open regelrecht vorgeführt. Der aktuelle 13. der Tennis-Weltrangliste bekam eine Lehrstunde – vom ungesetzten Chinesen Yunchaokete Bu, selbst nur die Nummer 124 der Welt. Jódar ist damit der höchstgesetzte Spieler in der Historie des Grand Slams in New York, der gegen einen „Lucky Loser“ verloren hat – Bu hatte im Finale der Qualifikation eigentlich verloren, rückte dann aber trotzdem ins Hauptfeld nach, nachdem der Australier Thanasi Kokkinakis seine Teilnahme absagen musste. Kind soll im Januar auf die Welt kommen: Sprint-Europameisterin ist schwanger Adidas verabschiedet sich: DFB-Team läuft bei Klopp-Debüt im Sondertrikot auf 37 unerzwungene Fehler, nur 15 Gewinnschläge – im Match lief für den hochtalentierten Spanier Jódar, dem Experten noch vor Monaten eine große Zukunft vorhersagten, so gut wie gar nichts zusammen. So dramatisch schlecht war die Vorstellung des Teenagers, dass die deutsche Tennislegende Boris Becker während des Matches bei X fragte: „Stimmt etwas nicht mit Jódar?“ Auf der Pressekonferenz nach dem Match war Jódar entsprechend kurz angebunden. „Er hat besser gespielt als ich, und deshalb hat er heute gewonnen“, erklärte er schmallippig. „Ich habe versucht, mein Bestes zu geben, aber es sollte einfach nicht sein.“ Es ist der nächste Rückschlag für den eigentlich hochtalentierten Madrilenen, der erst im Dezember 2025 Vollzeit-Profi geworden war. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon mit Erfolgen Aufsehen erregt – und machte bei den „Großen“ genau so weiter. Innerhalb weniger Monate kletterte Jódar bis auf Rang 34, stellte mehrere Bestmarken auf. „Ein Mix aus Zverev und Alcaraz“ Schon im April titelte ein Tennismagazin: „Jódar ist ein Mix aus Zverev und Alcaraz“. Als er beim Masters in Barcelona den erfahreneren Cameron Norrie im Viertelfinale deutlich schlug, schwärmte auch Becker bei X. „Ich liebe seine Ruhe und spielerische Reife schon jetzt“, schrieb der sechsmalige Grand-Slam-Sieger. Spanien hat einen weiteren Diamanten.” Beim Masters-1000-Turnier in Rom im Mai kam der 1,91 Meter-Mann bis ins Viertelfinale, als erster Teenager seit Novak Djoković im Jahr 2007. Auch bei seinem Heimturnier in Madrid zuvor erreichte er die letzten Acht – und ist damit der erste Teenager seit seinem großen Landsmann Rafael Nadal 2005, der es sowohl in Madrid als auch in Rom so weit schaffen konnte. Auf die ganz große Bühne spielte sich Jódar dann bei den French Open in Paris – hatte Spanien neben Superstar Carlos Alcaraz gleich noch einen legitimen Nachfolger für Nadal, zumal auch noch auf Sand und mit dem Spitznamen „Rafa“? Auch hier kam das Aus erst im Viertelfinale – gegen den späteren Sieger Alexander Zverev , entkräftet von einem Fünfsatz-Match in der Runde zuvor. Bis dahin hatte er eine herausragende Sandplatzsaison mit einer 19:3-Bilanz gespielt, die sogar besser war als die von Zverev (17:4). Auf Sand hat er seine größten Stärken, kommt über das Tempo, geht gerne mal ins Risiko, kann sowohl mit der Vor- und Rückhandseite Druck erzeugen – eine Seltenheit im Tennis. „Das ergibt keinen Sinn“ Seitdem aber war dem Senkrechtstarter nur noch wenig Glück beschieden. Er durchlebt ein Auf und Ab. In Wimbledon schied er gegen den Japaner Shintaro Mochizuki recht sang- und klanglos in der dritten Runde aus (6:1, 6:7, 4:6, 4:6), Ende Juli unterlag er im Finale der Washington Open nur knapp dem US-Amerikaner Taylor Fritz mit 6:7 und 4:6. Beim Masters in Montréal zum Start in die Hartplatzsaison spielte er sich zwar noch ins Halbfinale, in Cincinnati darauf kam das Aus dagegen schon in der vierten Runde. Normale Leistungsausschläge sowohl nach oben als auch nach unten für einen Spieler in Jódars Alter – doch er selbst wirkt zunehmend angefasst ob der rapide gestiegenen Erwartungshaltung. Nach dem dramatisch frühen Aus in New York nun reagierte Jódar auch durchaus patzig. Ob ihm denn klar sei, wie über ihn online gesprochen werde – auch, weil ihm oft während Matches die Schnürsenkel an seinen Schuhen reißen würden, wollte ein Reporter wissen. Und stieß auf null Verständnis. „Meine Schnürsenkel sind heute aber nicht gerissen. Also was ist die Frage?“, antwortete Jódar, dem dieses Malheur zuvor tatsächlich wiederholt passiert war. „Ich weiß nicht, was die Frage sein soll. Das ergibt keinen Sinn.“ Wirbel um „Szene“ mit Ballmädchen Tatsächlich kämpft Jódar aber auch schon jetzt gegen den Ruf an, nicht unbedingt ein zugänglicher Menschenfänger zu sein. Noch immer hängt ihm in Fankreisen eine Szene aus dem Drittrundenmatch gegen den US-Amerikaner Alex Michelsen bei den French Open im Mai an. Ein Video ging durch die sozialen Medien, das ihn dabei zeigt, wie er auf dem Weg zu einer Toilettenpause in die Kabine scheinbar ein Ballmädchen wegschubst. Angesichts des sofort entstandenen öffentlichen Furors stellte Jódar klar: „Ich habe sie nicht geschubst. Ich sagte meinem Vater (der direkt am Spielfeld auf der Tribüne saß, Anm. d. Red.) Bescheid, dass er mir verschiedene Dinge geben sollte, wenn ich von der Toilettenpause zurück bin. Sie stand dazwischen, und ich glaube, sie wollte einfach nur aus dem Weg gehen. Sie machte einige Schritte zurück und ist dann über die Abdeckung des Courts hinter ihr gestolpert. Zeitlupenaufnahmen der Szene scheinen Jódars Beschreibung zu stützen. Doch das Unheil war bereits angerichtet. Dabei machen als Gegenbeweis auch Clips die Runde, auf denen er bei bester Laune Autogramme schreibt und im Austausch mit Fans ist. Ohnehin will sich Jódar, der von seinem Vater Rafael Jódar senior trainiert wird, ganz auf das Sportliche konzentrieren. „Ich bin neu auf der Tour. Ich versuche, daraus zu lernen, damit das nicht nochmal passiert“, sagte er nun nach dem Aus in New York. „Beim ersten Mal kann das jedem passieren, wir sind Menschen. Es wäre aber schlecht, wenn ich beim zweiten Mal nicht dazugelernt habe.“ Insgesamt sei er zufrieden mit seinem 2026. „Es war eine gute Saison für mich insgesamt. Jetzt ist es Zeit, mich zu erholen und darüber nachzudenken, was ich aus diesem Turnier lernen kann.“ Und dann fügte Rafael Jódar noch an: „Erschöpft bin ich nicht.“ Im besten Fall wird Boris Becker also nicht erneut fragen müssen: „Stimmt etwas nicht mit Jódar?“