In Belgien trifft Nicolò Tresoldi wie am Fließband. Nominiert Jürgen Klopp den jungen Stürmer für den DFB-Kader? Der Bundestrainer hat prominente Konkurrenz. Die Spannung rund um den Neuaufbau der deutschen Nationalmannschaft erreicht in dieser Woche ihren vorläufigen Höhepunkt. Am Donnerstag gibt der neue Bundestrainer Jürgen Klopp seinen ersten DFB-Kader bekannt. Das Aufgebot gilt für die kommenden vier Nations-League-Partien Ende September und Anfang Oktober. Deutschland trifft auf die Niederlande, Serbien sowie zweimal auf Griechenland. Die Liste an potenziellen Kandidaten für Klopps Debütkader ist lang. Seit Wochen wird über Namen spekuliert. Auch, weil der 59-Jährige bereits bei seiner Antritts-Pressekonferenz im Juli betont hatte, sich 57 Feldspieler angeschaut zu haben. Ein Profi, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dazugehörte: Nicolò Tresoldi. Der 22-Jährige hatte im Sommer 2025 Zweitligist Hannover 96 den Rücken gekehrt und sich dem belgischen Spitzenverein Club Brügge angeschlossen – ein Wechsel, der sich sportlich bezahlt machte. Denn in Belgien wurde Tresoldi mit seinem neuen Klub nicht nur Meister, sondern avancierte mit 19 Treffern auch zum Torschützenkönig. Erster DFB-Kader: Klopp verzichtet offenbar auf frühere Nummer eins „Geht mir sehr nahe“: Hoeneß äußert sich emotional über Musiala-Drama Vor der WM landete er sogar auf dem Radar des mittlerweile zurückgetretenen Julian Nagelsmann , fehlte letztlich aber im Aufgebot für das Turnier in Nordamerika. Dass Klopp den U21-Nationalspieler, der im Sommer sogar vom FC Barcelona umworben wurde, nun endlich nominiert, scheint daher nur logisch. Doch die Sache gestaltet sich für den Bundestrainer kompliziert. Tresoldi will offenbar weiter für die U21 spielen Geboren wurde Tresoldi nämlich nicht in Deutschland, sondern in Italien. Erst mit 13 Jahren zog der Stürmer nach Hannover und wurde im Alter von 18 per Einbürgerung deutscher Staatsbürger. Den italienischen Pass besitzt Tresoldi aber ebenfalls – und ist damit auch für die Südeuropäer spielberechtigt. Die versuchen schon seit Längerem, den Stürmer von der „Squadra Azzurra“ zu überzeugen. Der Kampf um Tresoldi ist längst entbrannt. Jüngst berichtete die italienische „Gazzetta dello Sport“ sogar schon von einer Entscheidung Tresoldis. Er habe sich auf die Auswahl Italiens, das Heimatland seines Vaters, festgelegt, hieß es Ende August. Doch deutsche Medien widersprachen dem Bericht, betonten, dass eine Entscheidung noch nicht getroffen worden sei. Die „Gazzetta“ ruderte vor wenigen Tagen nun zurück. Zwar habe Tresoldi Italiens neuem Nationaltrainer Roberto Mancini (seit Juli im Amt) vor wenigen Wochen eine Zusage gegeben, jetzt aber einen Rückzieher gemacht. Er wolle vorerst weiter für die deutsche U21 spielen. Im Team von Trainer Antonio Di Salvo ist Tresoldi gesetzt. Im kommenden Jahr steht die U21-EM in Albanien und Serbien auf dem Plan. Tresoldi wolle sich mit der Mannschaft für das Turnier qualifizieren, schrieb die Sportzeitung. Im Anschluss an die EM seien neuerliche Gespräche mit den Italienern geplant. Der bereits bei der Fifa in die Wege geleitete Verbandswechsel liege nun auf Eis. Italien ist nicht der einzige Konkurrent Für Jürgen Klopp ist Tresoldis mutmaßlicher Beschluss jetzt erst einmal ein positives Signal. Weiterhin besitzt der DFB gute Karten, auch in Zukunft auf den Torjäger setzen zu können. Gleichwohl birgt die Situation für den deutschen Verband unverändert die Gefahr, einmal mehr ein vielversprechendes Talent an eine andere Nation zu verlieren – womöglich nur mit Verzögerung. Zumal Italien nicht der einzige Konkurrent bei Tresoldi ist. Theoretisch könnte dieser nämlich auch für Argentinien auflaufen. Aus dem südamerikanischen Staat stammt seine Mutter. Im Frühjahr hatte die „Bild“ berichtet, dass sich der Verband des WM-Finalisten bei Tresoldi gemeldet haben soll. Dennoch scheint es zurzeit eher auf einen Zweikampf zwischen Deutschland und Italien hinauszulaufen. Beide Nationen stecken seit Jahren sportlich in der Krise. Italien wurde 2021 zwar Europameister, verpasste aber die vergangenen drei Weltmeisterschaften. Deutschland gewann letztmals bei der WM 2014 einen prestigeträchtigen Titel und schied seit 2018 bei großen Turnieren regelmäßig früh aus. Mit neuem Führungspersonal wollen die beiden vierfachen Weltmeister nun zu alter Stärke zurückfinden. Auf Tresoldi können sie dabei aber vorerst wohl nicht setzen. Im Werben um den Angreifer ist nach wie vor Geduld gefragt – auch bei Jürgen Klopp.