Sie fährt um den Sieg in fast jeder Disziplin mit: Emma Aicher startet mit Top-Form in die neue Saison – und hat plötzlich echte Titelchancen. Am Samstag ist es so weit: Die neue Ski-Alpin-Saison startet. Im österreichischen Sölden treffen wie jedes Jahr die Ski-Stars aus aller Welt aufeinander. Unter ihnen auch ein deutsches Ausnahmetalent: Emma Aicher . In der vergangenen Saison fuhr die 22-Jährige bereits auf Platz zwei im Gesamtweltcup – und lag damit gerade einmal 87 Punkte hinter der Siegerin, US-Superstar Mikaela Shiffrin . Jetzt könnte sie der Rekord-Weltcupsiegerin sogar den Rang ablaufen. Denn in der nun startenden hat die deutsch-schwedische Skirennläuferin, die Chance, sich noch einmal selbst zu übertreffen. „Wenn sie so fährt und sich so weiterentwickelt wie bisher“, sagte DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier über Aicher, „ist sie sicher ein Thema für den Gesamtweltcup“. Doch nicht nur ihre Leistungen deuten auf eine Angriffssaison hin. Shiffrin, ihre größte Konkurrentin auf den Gesamtweltcupsieg, kündigte bereits vor der neuen Fahrzeit an, auf gleich mehrere Rennen in ihrer Königsdisziplin, dem Slalom , zu verzichten, um sich vermehrt auf den Riesenslalom und den Super-G zu konzentrieren. So wird die US-Amerikanerin mindestens die Stationen in Levi (Finnland) und Gurgl (Österreich) auslassen. Das bedeutet: Ihr gehen schon einmal mindestens 200 Punkte verloren – die Möglichkeit für Emma Aicher, die große Kristallkugel am Ende der Saison in der Hand zu halten. Eine Allrounderin auf höchstem Niveau Denn im Gegensatz zu Shiffrin fährt Aicher in allen vier Disziplinen voll mit. Als Belastung empfindet sie die Vielfahrerei nicht. „Die Abwechslung macht mir riesigen Spaß. Egal, welche Disziplin ansteht: Sobald ich die Kanten im Schnee spüre, zählt nur die absolute Hingabe“, sagt sie. Dass sie mit ihrer Vielfahrerei das Thema Gesamtweltcupsieg befeuert, das weiß sie. „Mit vier Disziplinen ist ja sehr deutlich, dass das ein Ziel ist, denke ich. Aber man muss es am Schluss halt irgendwie ausblenden“, erklärte sie der Nachrichtengentur dpa. Das bisherige Ergebnis spricht für sich: fünf Weltcupsiege sowie eine Silbermedaille, in den Einzeldisziplinen, bei Olympia in Cortina d’Ampezzo im vergangenen Winter. Ihre Teamkollegin Kira Weidle , mit der Aicher gemeinsam olympisches Silber in der Team-Kombination gewann, glaubt an die Fähigkeiten ihrer Rennpartnerin: „Diese Vielseitigkeit, und das auf einem so hohen Niveau! Sie kämpft ja in jeder Disziplin um den Sieg mit“, sagte sie. Und auch Shiffrin sieht das Potenzial in ihrer wahrscheinlich größten Konkurrentin für die anstehende Ski-Alpin-Saison. „Emma, es war mir eine riesige Ehre, mit dir zu ‚kämpfen'“, schrieb die größte Skirennläuferin der Geschichte schon nach ihrem Sieg vergangene Saison an Aicher: „Du hast eine glänzende Zukunft vor dir.“ „Goldener Ski“ und besondere Ehrung für Emma Aicher Die Hochgelobte selbst setzt trotz dabei weiterhin auf die Freude an ihrer Sportart. „Dann kommen hoffentlich auch die Resultate, die ich haben will“, sagte sie bei Eurosport . In der Wartezeit bis zum Auftakt des Ski-Alpin-Weltcups am Wochenende durfte sich Aicher indes noch einmal über zwei besondere Auszeichnungen freuen. So wurde sie im Rahmen der Sports Night des Deutschen Skiverbands mit dem „Goldenen Ski“ im alpinen Bereich ausgezeichnet – die derzeit höchste Verbands-Auszeichnung für aktive Skisportler. Die Sportler selbst wählten Aicher zudem zu ihrer Skisportlerin des Jahres 2026. Ob Emma Aicher am Ende des Weltcups tatsächlich auf der Spitze des Siegerpodests stehen und die große Kristallkugel in der Hand halten wird, bleibt abzuwarten. Das erste Rennen beginnt mit dem Riesenslalom am Samstag um 10 Uhr.