FC Bayern: Bangen um Saibari, Gnabry und Olise – Misere nimmt kein Ende

Die Schreckensmeldungen beim FC Bayern nehmen kein Ende. Vor dem Champions-League-Spiel bei Atlético Madrid werden die Sorgen immer größer. Aus München berichtet Julian Buhl Die Mixed Zone der Allianz Arena erinnerte am Samstagabend nach dem 2:2 des FC Bayern gegen Borussia Dortmund mehr an eine Arztpraxis als an ein Interviewbereich. Jedes Mal, wenn die Doppeltür aufging, die zum Kabinentrakt führt, kam ein anderer verletzter Bayern-Star hindurch gehumpelt. Erst mühte sich Ismael Saibari mit Krücken und dick bandagiertem rechten Knöchel Richtung Ausgang. Wenig später folgte ihm Serge Gnabry zwar ohne Gehhilfen, aber mit auffällig bedächtigem Gang. Als dritter angeschlagener Münchner lief dann auch noch Michael Olise leicht humpelnd an den Reportern vorbei. Die Frage, ob er ok sei, ließ er dabei unbeantwortet und zeigte keine Regung – auch wenn das in seinem Fall keine Besonderheit zu seinem sonstigen Verhalten ist. Sorge um Gnabry und Saibari: Bayern-Boss gibt Update Nach Bayern-Comeback: Kimmich äußert sich zum Tod seines Vaters Man hätte mindestens mit 3:1 oder 4:1 gewinnen müssen, befand der erstmals in den Kader und direkt in die Startelf zurückgekehrte Kimmich und stellte fest. „Es ist natürlich bitter, aber vor allem die Verletzten tun uns weh.“ Alle drei genannten Stars hatten zuvor im umkämpften Topspiel gegen den BVB angeschlagen ausgewechselt werden müssen. „Momentan fühlt es sich schon ein bisschen heftig an“ Am übelsten hatte es Saibari nach seiner vergebenen Großchance, nach der er mit Dortmunds Torhüter Gregor Kobel zusammengeprallt war, erwischt (29.). Der Marokkaner konnte anschließend mit dem rechten Fuß gar nicht mehr auftreten und musste von zwei Betreuern gestützt sofort vom Feld gebracht werden. Nicht mal zwei Minuten später saß Serge Gnabry ohne Fremdeinwirkung eines Gegners am Boden und musste ausgewechselt werden. Olise erwischte es dann sechs Minuten vor dem Ende. Ausgerechnet vor dem wichtigen Auswärtsspiel bei Atlético Madrid am Dienstag in der Champions League drohen also gleich drei Offensivstars auszufallen. Die Misere der leidgeprüften Bayern, die nach dem Tod seines Vaters zuletzt auf Joshua Kimmich und nach wie vor nach dessen Zusammenbruch auf Chefcoach Vincent Kompany verzichten mussten, nimmt offenbar kein Ende. Das empfand auch Max Eberl so. „Momentan fühlt es sich schon ein bisschen heftig an, was um uns herum passiert“, sagte der Sportvorstand nach dem Spiel in den Katakomben der Arena. Mit Blick auf die neuen Verletzungen von Saibari und Gnabry befand er: „Beide Verletzungen sind doch etwas größer, ohne dass ich jetzt eben die Prognose oder die Diagnose abgeben kann, aber es sieht beides größer aus.“ Dementsprechend, so Eberl weiter, „war es sehr, sehr teuer, was wir heute erlebt haben“. Die genauen Diagnosen werden wohl im Laufe des Sonntags folgen und dann vom Klub kommuniziert werden. „Saibaris Knöchel sieht ernsthaft verletzt aus“ Immerhin bei Olise gab Eberl zumindest erste vorsichtige Entwarnung. „Bei ihm glauben wir jetzt momentan zu spüren, dass es nicht so schlimm ist.“ Mit Gewissheit könne man aber auch das unmittelbar „nach solchen Spielen, kurz danach mit dem Adrenalin, nur relativ schwer sagen“. Kompanys Vertreter Aaron Danks, der seinen Chefcoach einmal mehr vertrat, gab auf der Pressekonferenz nach der Partie dann noch ein kleines Update. Sabairis Knöchel sehe „ernsthaft verletzt aus“, erklärte der Engländer. Bei Gnabry handele es sich „wohl um eine Muskelverletzung“. Damit gehen den Bayern langsam vor allem im Angriff die Alternativen aus. Mit Luis Díaz (Muskelbündelriss) und Jamal Musiala (Muskelfaserriss) fehlen ohnehin bereits zwei Offensiv-Stars verletzt. Kehren diese beiden Stars jetzt zurück? Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen kündigte bei Sky immerhin an, dass Musiala noch vor und Díaz nach der Länderspielpause zurückkehren sollen. Ob für Musiala schon die Reise am Montag nach Madrid eine realistische Option ist, ist allerdings fraglich. Auch Torhüter Manuel Neuer musste gegen Dortmund wegen Fußproblemen erneut pausieren. Als er anschließend in Zivilklamotten durch die Mixed Zone lief und gefragt wurde, ob es für ihn vielleicht für einen Einsatz bei Atlético reichen würde, machte er zumindest etwas Hoffnung und sagte: „Ich hoffe es.“ Die Rückkehr des Kapitäns wäre mit Sicherheit eine willkommene Verstärkung in diesem emotional aufgeladenen Stadion. Zumal auch sein Vertreter Jonas Urbig nach einem Knie-Treffer im Gesicht lädiert aus dem BVB-Spiel ging. „Wir müssen gerade sehr resilient sein“ Es sei „sehr viel“, befand Eberl, „was wir gerade zu verarbeiten haben“. Und zählte begonnen mit den Zusammenbrüchen von Musiala aufgrund einer neurologischen Dysfunktion zu Beginn der Saison noch einmal die ungewöhnlichen Umstände auf, die die Bayern aktuell zu bewältigen haben. „Jetzt heute dieses Spiel, dieses Unentschieden kurz vor Schluss mit den Verletzungen“, so Eberl weiter. „Also wir müssen gerade sehr resilient sein. Die Mannschaft ist das bisher in einer unglaublichen Art und Weise. Und das müssen wir aber jetzt die nächsten Wochen weiter sein.“ Die vergangenen Tage seien „mental wirklich sehr schwierig“ gewesen, gab der in diesen auch zum Weltfußballer gekrönte Harry Kane zu. „Wegen der Sache mit unserem Coach, wegen Jo und all den anderen Dingen, die passiert sind. Ich finde, wir haben das wirklich sehr, sehr gut bewältigt.“ Kimmich blickte bereits nach vorne. „Es ist es sehr bitter, dass die drei jetzt auch ausfallen“, sagte er bereits mit einer gewissen Endgültigkeit über die drohenden Abwesenheiten von Saibari, Gnabry und Olise. „Aber für uns geht es weiter. Wir müssen und wollen trotzdem Ergebnisse liefern.“ Aber, so Kimmich weiter: “ Mein Vater hat immer gesagt , dass es nur Fußball ist. Das muss man sich schon immer vor Augen führen: Das Wichtigste ist die Gesundheit.“ Genau das musste Kimmich gerade auf äußerst schmerzvolle Art und Weise selbst erfahren.