Bierhoff über DFB-Krise: „Wir haben ein Charakter-Thema“

Leidet die deutsche Nationalmannschaft an einem Führungskräftemangel? Der ehemalige DFB-Direktor Oliver Bierhoff sieht im Team nicht nur zu wenige Ausnahmespieler, sondern auch ein Charakterproblem. Oliver Bierhoff vermisst in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft echte Führungsspieler. „Unsere Spieler haben nach wie vor eine gute Qualität, aber im Vergleich zu Frankreich und Spanien nicht die herausragenden Persönlichkeiten mit hohen individuellen Stärken. Zudem haben wir ein Persönlichkeits- und Charakter-Thema“, sagte Bierhoff im „kicker“-Interview. „Wir haben sehr professionelle und gute Spieler, aber zu wenige, die Verantwortung und Initiative auf dem Platz übernehmen.“ Dass beim DFB mit Jogi Löw, Hansi Flick und Julian Nagelsmann bereits „drei kompetente und erfolgreiche Trainer verschlissen wurden“, habe damit zu tun, sagte der langjährige Manager der Nationalmannschaft. „Wenn es eng wurde bei den Turnieren, konnten unsere Spieler nicht den Schritt zulegen.“ Bierhoff: „Ich hatte das Gefühl, wir waren gelähmt“ Zum Mangel an Persönlichkeiten sagte Bierhoff: „Welcher deutsche Spieler ist bei einem internationalen Top-Club gefragt oder ist eine tragende Säule in einem Spitzenclub, wie es Matthäus bei Inter war, Toni Kroos bei Real oder halt Philipp Lahm bei den Bayern?“ Mit Blick auf die jüngsten Turnier-Enttäuschungen, zuletzt das frühe WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay, stellte sich der 58-Jährige dabei vor DFB-Kapitän Joshua Kimmich („Eine Bank, er versucht ja alles“), sagte aber auch: „Ich hatte das Gefühl, wir waren gelähmt und konnten auf schwierige Situationen nicht reagieren.“